Türkei

Inzwischen war ich schon öfters in der Türkei. Mit dem Auto, Bus und sogar 2011 mit dem Fahrrad. 

Leider bekommt die Türkei von mir nicht die Aufmerksamkeit die das Land eigentlich verdient. Sie liegt bei meinen Reisen einfach immer zur falschen Zeit am falschen Ort. Entweder als Transitland z.B. nach Georgien oder als Ziel einer Reise von wo aus ich dann den Heimweg antrete.

Diesmal war es sowohl der Weg nach Hause als auch das Wetter das mich nicht lange halten konnte.

Gleichzeitig ist die Türkei auch wieder das erste Land nach einer ganzen Weile das halbwegs vernünftig, mit Regeln funktioniert.

Meinen Einstand habe ich direkt mit einem Knall gefeiert, in Form eines Auffahrunfalls.
Ich konnte aber wirklich nicht damit rechnen dass mein Vordermann mitten in der Stadt an einer mäßig befahrenen Kreuzung bremsen würde obwohl auf dem Standstreifen genug Platz gewesen wäre sich an den wartenden LKW vorbei zu quetschen um dann über drei Spuren locker in den linksabbieger Verkehr einzufedeln.
So habe ich das in den letzten Monaten immer gemacht und es gab nie Probleme.

Ich habe ausserdem gemerkt dass meine chinesischen Reifen in Verbindung mit meinen iranischen Stoßdämpfern nicht die beste Bodenhaftung entwickeln.

War es vor einigen Tagen noch hohe Plusgrade und Meer- Badetemperatur so war ich in Kapadokien glücklich meinen guten Winterschlafsack eingepackt zu haben.
Leider sind die Heißluftballon nicht geflogen weil es zu windig war.

Mein Türkei Highlight war diesmal die heißen Quellen von Pamukkale. Eine gute Gelegenheit mal wieder die Füße zu waschen, eine warme Dusche ist im Moment nicht einfach zu finden.

Ich bin jetzt schon unterwegs nach Griechenland und das bedeutet dass ich zurück in Europa bin. Nur noch ein paar tausend Kilometer bis nach Deutschland.

Straßenhunde auf einem Parkplatz in Izmir
Es ist kalt in der Türkei
Hier wird Service noch groß geschrieben
Bitte GENAU an die Geschwindigkeit halten!!!

Ves bei/in den heißen Quellen von Pamukkale (Quelle: instagram @Markus_Schorn)
Ves hat Spaß im Schnee

Irak – Kurdistan

Es war eine spontane Idee. Warum eigentlich nicht durch den Irak nach Hause fahren?
Es klingt vielleicht nicht wie das beste Reiseziel aber es ist durchaus machbar, jedenfalls in einem Gebiet im Norden des Landes.
Die Kurdenregion hat einige Gesetze die teilweise von den irakischen abweichen.
Unter Anderem gibt es 30 Tage visafreie Einreise.

Ich gebe zu dass ich etwas nervös war als die Grenze in Sicht kam. Immerhin ist der Irak ein Kriegsgebiet.

Die Ausreise aus dem Iran war schnell und einfach. Als der Ausreisestempel in meinen Reisepass sauste, gab es kein zurück mehr. Jetzt musste es durch den Irak gehen.
Kurzzeitig gab es etwas Verwirrung weil ich 20 US Dollar Benzinsteuer zahlen musste. Warum konnte mir niemand erklären und so weigerte ich mich erst einmal. Das Problem ist leider immer wieder, da ist ein großes Tor und ohne alle Papiere geht es im Normalfall nicht auf. Da kann ich mich so lange weigern wie ich will.

Die Einreise in den Irak, oder besser gesagt in die kurdische Region Iraks war Chaos pur.
Ich musste das Auto ausräumen und alles zu einem großen Röntgengerät tragen.
Auch Vesuvio sollte durchgescannt werden, er weigerte sich aber durch das dunkle Loch zu fahren.
Ich mache ja alle Grenzkontrollstrapazen mit aber diesmal ging es ein wenig zu weit.
Nach einigem Protest durfte er schließlich mit mir durch die Personenkontrolle kommen, während meine Bettwäsche und Küchenutensilien durch den Scanner geschickt wurden.

Nachdem keine Raketen in der Marmelade gefunden wurde, wurde ein schicker „Irak“ Stempel in meinen Pass gedrückt. Ves hat leider keinen Stempel bekommen.

Nachdem ich mein Auto wieder eingeräumt hatte wurde in einer Garage noch einmal alles auf Drogen untersucht.

Nach drei Stunden durfte ich schließlich zum letzten Kontrollpunkt fahren wo ich eine gültige KFZ Versicherung vorlegen musste.
Hatte ich natürlich nicht, also nochmal zurück.

Die Versicherung abzuschließen ging relativ schnell. Zuerst zum Makler der noch nie einen deutschen Opel versichert hatte, dann zur Bank und dann noch zu einer zweiten Bank die natürlich ganz wo anders auf dem Zollgelände war.
90 Tage Versicherung (bei 30 Tagen gültigem Visum) 40 US Dollar.
Den Versicherungsschein auszudrucken war ein Abenteuer für sich denn leider war der Drucker kaputt und es dauerte über zwei Stunden ihn zu reparieren.
Alle Beamte waren sehr nett und es gab viel Tee in diversen Büros um die Wartezeit zu überbrücken.
Ich hatte auch eine lustige Videokonferenz mit einem Kurden aus Recklinghausen der versucht hat den Drucker über Ferndiagnose zu reparieren.

Wenn jeder Grenzübertritt so lange dauert wie meiner werden hier nicht sehr viele Menschen einreisen können.
Nach über sechs Stunden öffnete sich schließlich das Tor in den Irak.

Ich bin froh dass ich über die Grenze gefahren bin.
Kurdistan ist super. Das ist mein eigenes Weihnachtsgeschenk.
Es fühlt sich an wie in der Türkei. Das hätte ich niemals erwartet.
Es gibt moderne Einkaufszentren und alles was man sich vorstellen kann.
Die Polizei fährt aufgemotzte Fords, importiert aus den USA und nach zwei Monaten im Iran fühlt es sich fast etwas seltsam an Frauen ohne Kopftuch zu sehen.

Die Menschen sind sehr freundlich. Viele Kurden haben Familie in Deutschland und ich habe in den letzten drei Tagen öfters Videochats mit deutschen Wohnzimmern gehabt als jemals zuvor.

Hier fahren keine alten iranischen LKW und schon gar keine russischen.
Alte deutsche Autos teilen sich die Straße mit modernsten Oberklassewagen. BMW, Porsche, Cheverolett und Dodge, alles ist vertreten. Beherrscht wird die Straße aber natürlich von dicken Toyota Pick-Ups.

Der Handel mit der Türkei floriert und an der Grenze stauen sich die LKWs in beide Richtungen.

Hier fahren die Leute mit Licht, es wird geblinkt und eine rote Ampel bedeutet (meistens) stehen bleiben.
Ich musste mich erst wieder daran gewöhnen und durfte mir ein paar wilde Hupereien anhören weil ich nicht damit gerechnet habe dass sich hier irgendjemand an Verkehrsregeln halten würde.
Bevor ich zurück nach Europa komme muss ich da noch etwas nachbessern.

Jeder weiß hier dass die Deutschen die kurdische Peschmerga Armee im Kampf gegen Saddam Hussein und den IS unterstützt hat. Auch in der Entwicklung und dem Infrastrukturaufbau spielt Deutschland und die EU eine große Rolle. Wir genießen hier ein hohes Ansehen.

Lustig ist, viele Iraner haben mich davor gewarnt hierher zu fahren und hier warnt mich jeder Zweite vor dem Iran wo ich eine wirklich gute Zeit hatte.

Auf dem Weg Richtung Türkei führt die Straße nur 40 km an der Stadt Mosul vorbei, eine heftig umkämpfte Stadt im Krieg gegen den IS. Ich habe versucht abzubiegen, wurde aber von der kurdischen Armee aufgehalten. Vielleicht diesmal nicht ganz verkehrt.

Die Straße verläuft zwischen Flüchtlingslagern auf der einen und einer unsichtbaren Sperrlinie auf der anderen Seite.
Mit patrolierenden Panzerwagen und vermummten Soldaten ist es teilweise ein beklemmendes Gefühl.

An einem Militärcheckpoint zeigt eine große Tafel Werbung für ein Fitnesstudio und direkt darunter hängt ein Schild das auf die Gefahr verschiedenster Mienentypen aufmerksam macht.
Eine seltsame Welt. Außerhalb der stark gesicherten Checkpoints sind überraschend wenig Waffen zu sehen.

Ich habe noch einen weiten Weg vor mir und werde ja Anfang Februar schon wieder arbeiten.
Schade eigentlich denn hier wäre ich gerne noch länger geblieben. Es führt wohl kein Weg daran vorbei. Ich muss nochmal zurückkommen.

Frohe Weihnachten.

 

Das obligatorische Foto
Einkaufszentrum in Erbil, Kurdistan, Irak
ALLES muss durch den Scanner

Bunkeranlage der kurdischen Armee
Auf dem richtigen Weg?
Flüchtlingslager in Sichtweite
Ves genießt die Fahrt
Deutsche Entwicklungshilfe
Eine kalte Nacht an der Grenze

Iran

Zunächst einmal die Eckdaten. Der Iran (offiziell: Die islamische Republik Iran) ist mit 1.650.000 qkm viermal so groß wie Deutschland.
Die Sommer sind im allgemeinen heiß, Winter im Norden und in den Bergen kalt mit Schnee, im Süden sehr mild.

Nach deutschem Verständnis, so habe ich es jedenfalls in der Vorbereitung empfunden, ist der Iran gefährlich. Tatsächlich gilt er aber als eines der sichersten Reiseländer weltweit.

99% der Bevölkerung sind Muslime.
Alkohol und Drogenbesitz/ Konsum ist verboten und kann mit der Todesstrafe geahndet werden.

Trotzdem habe ich auf der gesamten Tour in keinem anderen Land so viel Alkohol angeboten bekommen wie im Iran.

Es gilt der persische Kalender, z.Zt. befinden wir uns im Jahre 1397 und das Wochenende liegt auf Donnerstag und Freitag wobei der Freitag als arbeitsfrei gilt.

Frauen tragen den „Hijab“, eine Art Kopftuch welches die Haare möglichst komplett abdecken sollte.
Lange Kleidung über die Handgelenke und Knöchel sind selbstverständlich und ein weiter Pullover oder Mantel in der Öffentlichkeit natürlich auch.
Jede Art von äußeren Reizen, Schmuck, enganliegende Kleidung, Nagellack oder gar sichtbare Haut im Nackenbereich verträgt sich nicht mit den kulturellen Idealen.

Eine extremere Form ist der Tschador. Ein großes schwarzes Bettlaken das den kompletten Körper umschließt.

– Hierzu eine kleine Anekdote –
Die Straßenbeleuchtung ist nicht immer gut auf iranischen Straßen und es ist nicht immer einfach die Tschador Frauen im dunkeln zu erkennen. Mein Vorschlag das Bettlaken mit Weihnachtsschmuck (für bessere Visibilität) zu behängen wurde mit dem Argument abgewiesen dass es keinesfalls der Idee des Islam entspricht irgendeine Aufmerksamkeit zu erregen.

Der Iran war in den 70er Jahren ein gut entwickelter Staat mit fast westlichen Werten und westlichem Einfluss.
Nach der Revolution 1979 wurde der Schar aus dem Land vertrieben und der religiöse Führer Ayatollah Khomeini kehrte aus seinem französischen Exil zurück. Die islamischen Werte wurden vom Staatsapparat übernommen und als Gesetz definiert.

Heute wacht eine „Religionspolizei“ über die Einhaltung.


Männer haben etwas mehr Freiheit aber lange Hosen sind obligatorisch.

 

Der Iran ist das interessanteste Land in dem ich jemals war.
Es herrscht eine faszinierende Parallelgesellschaft.
An „sicheren“ Orten wie Einkaufszentren, Restaurants aber auch in der Wüste oder in Hotels an denen keine Gefahr besteht auf die „grüne Polizei“ zu treffen wird das Kopftuch oftmals „vergessen oder rutscht „aus versehen“ runter.

Iran ist durch US Sanktionen vom internationalen Devisenmarkt abgeschnitten was vereinfacht bedeutet dass EC- und Kreditkarten nicht funktionieren.
„US Sanktion“ bedeutet dass eine Verbindung zu deutschen Banken theoretisch funktionieren sollte, allerdings hat die USA jeglichen Handel mit dem Iran unter Strafe gestellt und droht bei Zuwiderhandlung auch deutschen Banken mit dem Ausschluss vom amerikanischen Markt.
Da ein USA- Verbot für jedes Unternehmen den Todesstoß bedeuten würde, fügt sich die Wirtschaft den amerikanischen Regeln.

Ich habe meinen kleinen Tresor gut mit US Dollar bestückt und komme damit gut durch.

Im Iran habe ich schließlich komplett den Überblick verloren. Der offizielle Wechselkurs zum Dollar ist 42.000 Rial. Der Schwarzmarktkurs ist dreimal so hoch und schwankt sehr stark. Weil mit so hohen Zahlen offenbar Niemand rechnen kann wird bei den Preisen die letzte Null gestrichen. Dann heißt die Währung Toman. Manchmal fehlen auch alle Nullen.

Der Preis für ein Liter Benzin ist z.B. 1.
Das sind dann 1000 Toman an der Säule. Ich zahle also 10.000 Rial, etwa 25 Cent oder nach dem Schwarzmarkt 8 Cent. Sehr verwirrend.

Der Euro ist noch etwas mehr wert aber weil ich gar keine Euro in der Tasche habe wäre es noch verwirrender wenn ich wieder alles zurück rechnen würde. Benzin wäre dann etwa 6 Cent/ Liter

Um alles noch zu perfektionieren rechnet jeder mit einem eigenen Kurs, was in etwa dem Schwarzmarktkurs entspricht. Auch Hotels, Geschäfte und sogar Wechselstuben und Banken.

Hier ist noch ein lustiges Beispiel:
Eine Nacht im Hostel in Teheran kostet 3 US Dollar pro Nacht.
Online, auf einer Hotel- Buchungsplattform wird automatisch die offizielle Währung berechnet, 126.000 Rial.
Bezahlen kann man nur vor Ort, da erhöht sich der Preis aber auf 36 = 36.000 Toman also 360.000 Rial.
Ist klar, oder?

– – –

Der Verkehr scheint hier fast ein rechtsfreier Raum zu sein.
Auch wenn es Gesetze wie Helmpflicht auf dem Motorrad, Anschnallgurt im Auto oder das einschalten der Scheinwerfer bei Nachtfahrten gibt, scheint es in Realität eher eine Empfehlung zu sein.
Motorfahrer ohne Licht fahren grundsätzlich überall wo sie einen Platz finden. Auf Bürgersteigen, auf Busspuren, gerne gegen die Fahrtrichtung und natürlich ohne Helm. Oft sieht man den Helm auch baumelnd am Lenker.

Natürlich gibt es, wie überall auf der Welt, auch hier das Gesetz dem Willigen das Überqueren der Straße an einem mit Schildern und Markierungen gekennzeichneten Überweg zu ermöglichen. In Wahrheit hält aber niemand an und es ist jedesmal ein Kampf ums Überleben.
Ich bin froh dass Vesuvio aufs Wort hört und nicht ein Zentimeter von meiner Seite weicht wenn wir zusammen die Straße überqueren.
Da ja ohnehin niemand stoppt macht es auch wenig Sinn den Zebrastreifen zu benutzen und darum springen jederzeit diverse Menschen auf der Straße rum.
Alles in allem habe ich persönlich sehr viel Spaß hier rumzukurven.

Ich hatte nur einen kleinen Zusammenstoß mit einem Taxi. Zugegeben, es war meine Schuld weil ich mich an die Straßenmarkierung gehalten habe.
Der Unfallgegner forderte eine Summe mit vielen, vielen Nullen.
Ich habe ihm in Ruhe erklärt dass wir erst einmal die Polizei rufen werden die einen Unfallbericht schreiben wird den wir dann bei der Versicherung einreichen können.
Damit war die Sache dann auch erledigt. Worte wie „Deutsche Botschaft“ und „Polizei“ haben hier eine sehr starke Wirkung.

Ich frage mich wer sich hier die Arbeit gemacht hat die weißen Linien auf die Straße zu pinseln. Um solche Kleinigkeiten kümmert sich wirklich niemand.

Dass die Autos hier gerne ohne Beleuchtung fahren scheint niemanden zu stören. Wild blinkendes Standlicht scheint im Moment auch sehr im Trend zu liegen.
Immerhin fahren nur 10% der Verkehrsteilnehmer auf der falschen Straßenseite (50% der Motorradfahrer) und nur 1% Rückwärts weil er mal wieder eine Abbiegung verpasst hat.

– – – 

Ich lerne jeden Tag neue Regeln. So ist es z.B. nicht gerne gesehen wenn der Hund auf der Straße läuft weil es dem Regime zu „westlich“ ist.

Ebenso ist es Frauen nicht erlaubt Motorrad zu fahren

Internet im Iran ist nicht immer ganz einfach. Facebook, YouTube und viele westliche Webseiten funktionieren nur über Proxy Server oder VPN. Instagram und Whatsapp ist (noch) frei zugänglich und sehr populär. 

Im Allgemeinen ist es ein tolles Land zum reisen. Einfach, günstig und sehr nett. Ich hatte keinerlei Probleme und werde gerne zurück kommen.

Ich fahre von hier Richtung Westen und das bedeutet dass ich ab jetzt auf dem Heimweg bin. Ich werde im Februar wieder in Deutschland sein. Bis dahin sind es aber noch 5.000km und acht Länder.

Deutscher Bus? Second Hand Nummernschilder gibt es auf dem Markt
Niemals alleine im Iran
Ves und eine Tschador Frau

Neue Freunde am Strand
Ich war beim Frisör … aber zuerst mal ein Hundefoto

Mein Auto hat ein paar Teile verloren und weil es im Iran keine passenden Ersatzteile für einen Opel gibt wurden die Teile einfach selbstgemacht. 
Viele Grüße an den TÜV. 

Handgemacht ist immer am besten
Es gibt andere Hunde im Iran 🙂
Kaffee am Strand in Bandar Abbas
Gasflasche auffüllen – iranian style – 10m Abstand bitte
beachcamp
überall sind Zuschauer
Pfannkuchen Frühstück im Auto

Ves über den Dächern von Yazd
Morgens ist es kalt in der Wüste
Wracktauchen in Qeshm

Turkmenistan

Turkmenistan ist eines der seltsamsten Länder und war definitiv das härteste Visum auf meinem Weg. Mehr als fünf Tage Transit war nicht drin und dazu war es mit 55 US Dollar auch das teuerste Visum wenn ich es auf Tage umrechne, 10,50 US Dollar/Tag.

Der offizielle Wechselkurs liegt bei 4:1 aber auf dem Schwarzmarkt bekommt man weit mehr. Ich verstehe nicht ganz wie und warum es funktioniert aber ich habe 18 turkmenische Manat für einen Dollar bekommen.

Die Einreise war mit einiger Rennerei verbunden. Ich habe verschiedene Zettel bekommen und musste immer wieder irgendwelche Gebühren bezahlen. Es gab zwar jeweils eine Quittung aber was sagt das schon aus?

Ich habe eine Einreisegebühr von 30 US Dollar bezahlt und 27 Dollar Benzinsteuer die wohl über meine zu fahrenden Kilometer ausgerechnet wurde. Eine Versicherung für 35 Dollar und schließlich eine Servicegebühr von 5 Dollar. Am Ende hat die Bank noch eine extra Gebühr von 10 Dollar erhoben.
Für die Desinfektion des Fahrzeugs habe ich noch einen Dollar bezahlt,  nach der Zahlung schien die Desinfektion aber schnell vergessen zu sein.
Zusammen hat mich die Einreise 108 Dollar gekostet.
Der Hund hat seine Einreisegebühr von 14 Dollar von seinem Taschengeld bezahlt. Für fünf Tage Aufenthalt ist das ganz schön happig.

Im Visumsantrag musste ich meine Route angeben und durfte, so habe ich es verstanden, nicht davon abweichen.
Auf einer Landkarte wurde meine Strecke noch einmal genau skizziert.

Die erste Stadt auf dem Weg war Turkmenabat. Eine gute Gelegenheit über den Basar zu schlendern und das Angebot von Obst und Gemüse zu prüfen.
Ich musste auch tanken bevor es auf die lange Wüstenetappe ging.
Benzin kostet 1,5 Manat pro Liter, das sind 40 US Cent beim offiziellen Wechselkurs. Allein diese Tatsache ist schon günstig aber bei meinem Kurs kostet mich der Liter 8 US Cent und ich habe das Auto für nicht einmal 5 Euro gefüllt.

Es waren vor Allem türkische LKWs unterwegs. Hunderte durchqueren Turkmenistan auf dem Weg von der Türkei nach Usbekistan und Visa verce.

Die Straßen sind breit ausgebaut, mit Leitplanken und Beleuchtung versehen und könnten auf den ersten Blick mit jeder deutschen Autobahn mithalten.
Es fällt aber schnell auf dass mindestens zwei der drei Spuren pro Richtung nicht befahrbar sind weil sie entweder von Schlaglöchern oder Spurrillen durchzogen sind oder einfach nicht fertig gebaut wurden.
Oft ist eine komplette Richtungsfahrbahn durch große Erdhügel gesperrt weil z.B. eine Brücke vergessen wurde. Da die entsprechende Beschilderung fehlt ist es ein kleines Glücksspiel ob es jetzt Gegenverkehr gibt oder nicht.

Am zweiten Tag bin ich einfach mal nach rechts abgebogen. Sozusagen illegal.

Alle paar Kilometer gab es eine Polizeikontrolle. Meistens war es ein einzelner Beamte der irgendwo in der Wüste mit einem Radarmessgerät stand und fröhlich jedes zweite Auto anhielt.
Eine Beschilderung gibt es nicht aber nachdem ich zwei Mal gestoppt wurde, habe ich mich wie die Einheimischen an eine Geschwindigkeit von 70 km/h gehalten sobald in der Ferne ein kleines grünes Männchen auftauchte.
Es gibt auch richtige Checkpoints wo ich jedoch stets durchgewunken wurde.
Ist keine Polizei zu sehen fährt natürlich jeder wie er will.

Mitten in der Wüste liegt ein offener Gaskrater. Eigentlich ist es ein großes Loch durch das natürliches Gas an die Oberfläche strömt.
Turkmenistan verfügt über das viert- größte Gasvorkommen der Welt.
In den 70er Jahren haben die Russen das Gas entzündet und seither lodert der Trichter mitten in der Wüste.
Ein unwirkliches Schauspiel und ich habe etwas erhöht an einem Hang gecampt, mit premium Blick auf die Flammen.
Der Krater hat einen Durchmesser von 70 Metern und ist 30 Meter tief. Es sieht bei Nacht so aus als könnte ein uns wohl bekannter Ring darin geschmiedet worden sein.

Auf dem Weg in die Hauptstadt habe ich die 20.000km Marke auf der Tour überquert.

Ashgabat ist faszinierend, gleichzeitig verrückt und sehenswert.Die Stadt hält den Weltrekord für die meisten Gebäude aus weißem Marmor und die einige andere verrückte Sachen. 
Das „Zentrum für Kultur und Unterhaltung“ hält einen Weltrekord für das größte überdachte Riesenrad, der große Springbrunnen hat die meisten Becken der Welt und das große Oktagonal „Star of Oguzkhan“ hat das weltgrößte Abbild des Sternenhimmels.

Alles ist riesig. Die Straßen sind breit und schnurgerade. Riesige Boulevards und Parkanlagen mit Springbrunnen und Lichtspielen.
Ich bin am Präsidentenpalast vorbei spaziert und an dem präsidentialen Balkon von wo aus das Staatsoberhaupt die großen Paraden bestaunt um sich, und auch das ist kein Geheimnis, selbst zu feiern.
Es ist ein wenig wie Nordkorea.
Die Stadt ist gespickt mit goldenen Statuen und riesigen Regierungsgebäuden.
An jeder Ecke steht ein Polizist, teilweise auch Militär.
Ich war nicht sicher ob das fotografieren hier so eine gute Idee ist und hab nur ein paar Bilder von den Parkanlagen und einigen Statuen gemacht.

Der Präsident ist ein Sportfanatiker. Das Olympiagelände rund um das neue Stadion ist riesig und, wie alles andere in der Stadt, rein weiß.
2017 wurden hier die Marshall Art Games ausgerichtet., eine von der Weltöffentlichkeit kaum wahrgenommene Veranstaltung.
Der Bau des Olympiageländes hat 5 Millarden Dollar verschlungen.
Turkmenistan errang mit 245 Medaillen in 21 Disziplinen den ersten Platz im Medaillenspiegel.

Pünktlich am fünften Tag habe ich das Land verlassen und bin ab jetzt im Mittlerer Osten unterwegs.

Herr Präsident auf großen LED Wänden

ein kleines Problem mit der Federung – in Deutschland ein Grund stehen zu bleiben … hier nicht

Usbekistan

Ich bin mit meinen Blog Einträgen etwas hinterher aber es war in den letzten Wochen nicht so ganz einfach an funktionierendes Internet zu kommen.

Die Einreise nach Usbekistan war schnell und unkompliziert. Ich hatte ein paar seltsame Geschichten über diese Grenze gehört.
Durch einige Internet Foren geisterte eine 15 Seitige Liste mit verbotenem Zeug.
Einige Medikamente dürfen nicht eingeführt werden, nicht mehr als fünf Glasaugen über die Grenze gebracht werden und so ziemlich alles muss angemeldet werden.
Laptop und USB Sticks werden kontrolliert und Fotos von Regierungsgebäuden und Männern mit Bart werden rigoros gelöscht. Jede Art von Pornographie, sogar Modezeitschriften werden konfisziert.
Wahrscheinlich ahnt ihr es schon aber ich sage es trotzdem nochmal, nach dem Einreisestempel wurde ich natürlich direkt durchgewunken. Kein Test auf Glasaugen oder Medikamente, keine Diastunde mit meinen Fotos und natürlich blieb auch der Hundepass ungesehen.

Stattdessen wurde ich freundlich mit „Heil Hitler“ begrüßt. Es passiert immer wieder und ich habe mich inzwischen schon daran gewöhnt dass die Beamten sich freuen ein paar Worte deutsch sprechen zu können. Meistens lächele ich kommentarlos zurück.

Die meisten Autos in Usbekistan fahren mit Gas. Auch Busse und LKWS sind auf Gas umgerüstet. Die alten russischen Lkws fahren mit schlechtem, oftmals gepanschtem Benzin oder noch schlechterem Diesel. Auch die importierten europäischen Trucks fahren mit Diesel was man vorallem an den immensen Abgaswolken sehen kann.
Super Benzin ist nur in den großen Städten zu finden und ist mit fast einem US Dollar pro Liter doppelt so teuer wie in den Nachbarstaaten also habe ich seit der Grenze Normalbenzin getankt.

In letzter Zeit gab es einige Veränderungen für Touristen wie z.B. online Visa und die Lockerung der Registrierungspflicht was das Reisen erheblich vereinfacht. Seit 2017 dürfen Touristen zudem die lokale Währung ‚Som‘ benutzen, vorher ausschließlich US Dollar.

Das Rumreisen war einfach und auch das übernachten im Auto war kein Problem.

Usbekistan war ein zentraler Teil der Seidenstraße und ist somit Anziehungspunkt für Touristen aus der ganzen Welt. 

Die touristische Infrastruktur in den Städten ist gut entwickelt und Bustouren verkehren zwischen allen großen Sehenswürdigkeiten.

Auch wenn sich das Land zunehmend als offen und sozial zeigt sollte man nicht vergessen dass Usbekistan an alten sowietischen Regeln festhält.

Usbekistan bleibt, mit seiner Grenze zu Afghanistan ein wichtiger strategischer Partner im „Kampf gegen den Terror“.
Sowohl die USA als auch die NATO unterhalten mehrere Militärstützpunkte auf usbekischem Staatsgebiet und bei dem großen Militärabzug aus Afghanistan 2014 wurden viele hundert Millionen Dollar für den Transit von tausenden Tonnen militärischem Equipment bezahlt.

Um 6 Uhr heute morgen habe ich kurz Vesuvio raus gelassen und bin wieder eingeschlafen. 20 Minuten später wurde ich von lautem Lachen geweckt. Neben meinem Auto saßen zwei alte Männer auf dem staubigen Boden und haben mit dem Hund gespielt. Hier mit Hund unterwegs zu sein ist so viel einfacher als ich dachte. Ves bringt unterwegs viele Menschen zum Lachen und ich bekomme dann immer Tee und Kekse. Wir sind ein super Team..

 

Camping an/in einem alten Sowiet Damm. Die erste Staustufe wurde halb fertig gebaut und dann aufgegeben. Ein perfekter Platz für die erste Nacht in Usbekistan.

 

Muynoq war noch vor 40 Jahren ein bedeutender Fischereihafen am Aralsee.
Heute liegen die verrosteten Kutter auf dem ehemaligen Meeresboden. Das Wasser ist über 200km entfernt. Eine Folge von intensiver Landwirtschaft.

Pamir Highway – Almaty, Bishkek, Dushanbe

Mein letzter Eintrag aus Almaty ist schon wieder eine Weile her.

Ich habe den Opel Motor einmal komplett überholen lassen und nach einer anfänglichen Enttäuschung fährt er nach der zweiten Reparatur ganz gut.

Ich habe jetzt auch endlich ein Dachfenster im Auto. Es ist schon lustig wie schnell sowas gehen kann wenn sich die richtigen Leute damit beschäftigen. Der Einbau des Dachfensters hat nur eine Stunde gedauert.

Der Motor wird einmal komplett durchgecheckt
Am Dach kommt die große Säge zum Einsatz
… das Ergebnis

Die Einreise nach Kirgistan war gar kein Problem und schon in den ersten Tagen habe ich mehr Touristen getroffen als in den letzten zwei Monaten zusammen.

Vorallem Fahrradfahrer und Wohnmobile. In Bischkek habe ich dann endlich alle Visa für die nächste Zeit bekommen. Der Weg in den Iran ist also frei.

auf dem Weg ins Pamir Gebirge

Schon auf der ersten Passstraße habe ich gemerkt dass der Wagen über 3000m nicht mehr ganz so zuverlässig arbeitet. Beste Voraussetzungen für den Pamir Highway mit einigen Bergpässen über 4000m.
Die Hänge waren schon mit dem ersten Schnee bedeckt. Eigentlich wollte ich dem Winter ja entkommen und jetzt hat er mich doch voll erwischt. Große Schafherden waren auf dem Weg von den Berghängen ins Tal. Tausende Schafe haben meine Fahrt ein wenig verlangsamt.

Die Aussicht auf dem Pass war der Wahnsinn. Die Grenze nach Tadschikistan liegt auf über 4200m Höhe.
Plötzlich wollte der Grenzbeamte meine russischen Zollpapiere sehen um die sich bei der Ausreise aus Russland niemand gekümmert hat? Ich wollte es eigentlich wegwerfen, habe es aber dann doch als Andenken abgeheftet. Da habe ich wohl Glück gehabt.
Warum jetzt gerade da ein russischen Dokument eingesammelt wird habe ich nicht verstanden.
Dann musste ich noch eine Ökoabgabe von 10 US Dollar an die usbekische Regierung entrichten. Wahrscheinlich gibt es diese Gebühr wirklich aber irgendwie hat mich auch die Tafel mit den aufgeschlüsselt Tarifen für Pkw,LKW und Motorrad nicht wirklich überzeugt. Man weiß hier nie in welche Tasche das Geld wirklich wandert. Immerhin habe ich eine Quittung bekommen.

eine Karte des Pamir Straßen Netzwerkes von meinem Instagramprofil @markus_schorn

Link zu Instagram https://www.instagram.com/markus_schorn/

Im Niemandsland zwischen zwei Grenzkontrollstellen ist die Straße erfahrungsgemäß schlecht. Es kümmert sich einfach Niemand darum. Diesmal war es die schlechteste „Straße“ die ich jemals gesehen habe, wirklich.

Passagen mit blanken Felsen, kleinen Bachläufen, sehr grobkörnigem Schotter und jeder Menge Schlamm. An einigen Stellen habe ich schon das Ende der Reise gesehen aber irgendwie habe ich es geschafft.
Der tadschikische Grenzposten war nicht viel mehr als ein paar Container und einige schiefe Bretterbuden.
Im Winter sind Temperaturen von minus vierzig Grad hier völlig normal.

Ich konnte es nicht glauben aber diesmal wurde wirklich der Hundepass kontrolliert. Dass die nötigen Stempel fehlen ist natürlich nicht aufgefallen, es sind ja genug andere da. Auf einer der hinteren Doppelseite habe ich für Ves bei der letzten Reise einige Länderstempel gesammelt. Jetzt gibt es auch einen Stempel von Tadschikistan.

Auch nach der Grenze ging es wegen Schlaglöchern und Spurrillen nur in Schrittgeschwindigkeit voran. Für die ersten dreißig Kilometer in Tadschikistan habe ich über eine Stunde gebraucht.

Der Grenzzaun zwischen Tadschikistan und China
Afghanistan ist so nah
Erste Nacht in Tadschikistan – Lake Karakul

Der Grenzfluss im Wakhan Tal ist keine 10m breit. Am anderen Ufer liegt Afghanistan. Im Winter ist der Fluss zugefroren und man könnte einfach rüber laufen.
Die Brücken nach Afghanistan sind schwersten bewacht.

Ich habe an einem alten Tankwagen überteuertes Benzin mit minderwertiger Qualität erstanden. Es gibt nur nicht viel Auswahl, Diesel gibt es gar nicht. An der Ecke stand ein älterer Herr der gerne mitgenommen werden wollte. Ich habe nicht verstanden wo er hin will aber da es hier nur eine Straße gibt war es nicht schwer zu erraten dass sein Zielort wohl irgendwann einmal auf meiner Strecke liegen wird. Er hatte keine Angst vor dem Hund und so habe ich ihm kurzerhand den Beifahrersitz frei geräumt.
Was ich nicht wusste, der gute Mann hatte gute Freunde die auch alle mitfahren wollten. Ich hatte also kurze Zeit später fünf Mitfahrer.
Eine Stunde sind wir durch die Gegend gehoppelt. In dieser Gegend ist es durchaus normal am Ende für seine Fahrt zu bezahlen. Ich habe die 1,50€ höflich abgelehnt und wurde daraufhin spontan zur Übernachtung in einem vollausgestatteten Gästehaus eingeladen, Abendessen mit Familienanschluss inklusive. 
Die Kommunikation war etwas kompliziert aber ein paar Fotos auf dem Laptop und die Weltkarte auf dem Tisch haben für einen interessanten Abend gereicht.

Die weitere Straße war furchtbar. Noch nie habe ich eine so schlechte Straße über eine Distanz von mehreren hundert Kilometern gesehen.
Eins von den Millionen Schlaglöchern war etwas tiefer als die anderen. Es war ein kurzer Knall bevor ich das Auto mit einem platten Reifen und einer gebrochenen Feder abstellen musste.
Der Zweite Platte innerhalb von vier Tagen.
Zum Glück war es nicht besonders weit zu einer kleinen Reifenwerkstatt und ich konnte eine schnelle Mitfahrgelegenheit ergattern.
Kurz darauf saß ich mit fünf Kfz Experten in einen Toyota auf dem Weg zurück zu meinem Auto. Mit einem 19er Schraubenschlüssel ging es ans Werk. Der Stoßdämpfer war schnell ausgebaut, natürlich mitten auf der Straße.
Die Feder war wirklich an zwei Stellen gebrochen und einer der Jungs hat wirklich ein passendes Ersatzteil gefunden. Der Chefmechaniker hat die Feder unter dem Auto verkeilt und dann den Wagenheber langsam runter gekurbelt bis das Gewicht des Autos die Feder zusammengedrückt hatte. Fixiert mit zwei Drähten die er irgendwo gefunden hat, hat er den Stoßdämpfer wieder eingebaut, ohne Werkzeug.

Dann war erstmal Mittagessen. Natürlich war ich eingeladen.

Es ist ein wenig wie ein Wunder aber ich habe es wirklich nach Dushanbe geschafft.

Das Resultat des Pamir Highways:
Eine gebrochene Feder, ein geplatzter Reifen, ein verbeulter Kotflügel und gebrochener Frontscheinwerfer. Der Kühler tropft und der Motor verliert wieder Öl.
Zusätzlich hat es ein Porzellanteller nicht überstanden (entschuldigung Mama). Ich brauche neue Reifen und neue Bremsen.

… und dann geht es weiter.

Ves ist natürlich überall der Star
Es sind so viele andere ‚Overlander‘ unterwegs

Im Hostel in Dushanbe treffen sich alle wieder

Durch Kasachstan bis nach Almaty

Kasachstan ist vor Allem eins, RIESIG.

Ich bin in der letzten Woche über endlose Steppen gerast. Viel zu sehen gab es nicht, jedenfalls kein Sightseeing Programm.
Natürlich hat die Wüste ihre eigene Schönheit und ich genieße jede Nacht in absoluter Ruhe unter Millionen Sternen.
Ich habe gemerkt dass ich unbedingt ein großes Dachfenster im Auto brauche.

Es geht noch ein Stück geradeaus

Das erste Highlight nach ein paar tausend Kilometern war der Aralsee, einst einer der größten Seen der Erde.
Im Erdkundeunterricht bei Frau Schmöle haben wir mal darüber geredet, das ist inzwischen über zwanzig Jahre her. Wahnsinn wie die Zeit vergeht (ich dachte nicht dass ich irgendwann einmal sowas sagen würde).
Seit dieser Erdkundestunde wollte ich zum Aralsee aber ich dachte immer er sei in Ägypten 🙂

Auf jeden Fall wurde dem Aralsee durch intensive Landwirtschaft buchstäblich die Wasserzufuhr abgegraben und er ist über einige Jahrzehnte auf ein Minimum ausgetrocknet.
Die Fischerdörfer in Ufernähe liegen heute mitten in der Wüste.

Eingang zum Wassersportparadies „Aralsee“
Unterwegs auf dem Grund des Aralsees

Das zweite Highlight war der Weltraumbahnhof von Baykonur. Eine Tour des Baykonur Cosmodrome muss man zwei Monate vorher anmelden, da wusste ich noch nicht mal dass ich in diese Richtung fahre, also viel die Tour leider aus.

Baykonur Cosmodrome

Russland hat schon seit 1960 Raketen für sein Space Programm aus Baykonur abheben lassen.
Als sich dann die UDSSR 1991 aufgelöst hat hatte Kasachstan plötzlich einen Weltraumbahnhof ohne eigene Astronauten.
Was also tun … sie haben die Abschussrampe bis 2050 vermietet und an wen? Natürlich an die Russen.
Auch die NASA und die ESA starten ihre bemannten Missionen aus Kasachstan.

Noch ein fun fact: Die kleine Militärbasis mit der großen Abschussrampe hieß eigentlich Leninsk aber weil sich das kein Ausländer merken konnte und Baykonur die nächste Stadt ist (immerhin 300 km entfernt) wurde die Station umbenannt und jetzt heißt Alles gleich.

Übrigens, falls jemand vor hat als Weltraumtourist Urlaub zu machen, auch diese Flüge starten aus Kasachstan.

Hier ein buchungslink, der Flug kostet etwa 80.000€

Was ich nicht wusste, und auch in meinem schicken Reiseführer nirgendwo geschrieben steht, selbst für die Stadt Baykonur braucht man eine Sondererlaubnis weil es als militärisches Sperrgebiet eingestuft wird.
Es gab etwas Verwirrung als ich mit meinem Reisepass vor der großen Kontrolle aufgetaucht bin.

Einfahrtskontrolle nach Baykonur

Almaty ist die größte kasachische Stadt und finanzielles und kulturelles Zentrum. Es wird also nicht langweilig werden und ich kann ein paar Tage Pause (und eine heiße Dusche) wirklich gebrauchen.

Ich muss mir jetzt also wirklich mal Gedanken über den weiteren Weg machen. Alle wichtigen Botschaften sind in der Stadt und weil es ja ohne Visum nicht weiter gehen wird werde ich einen Visa-Beantragetag einlegen.
Meine Strecke ist also ab jetzt durch Ein- und Ausreisedaten etwas festgelegt.

Kirgisistan (Visafrei)- Tajikistan inkl. Pamir Region (online Visum)- Usbekistan (online Visum) Turkmenistan (Transit Visa)- Iran (Refenznummer+Visum).
Danach schauen wir mal.

Die Aufgabe bis zum nächsten Blog:
Wie viele Länder waren Teil der UDSSR und sind heute eigenständig.

Ach ja, hier ist noch die Auflösung vom letzten Blogeintrag
Die größten Länder der Erde:

1. Russland
2. Kanada
3. USA
4. China
5. Brasilien
6. Australien
7. Indien
8. Argentinien
9. Kasachstan
10. Algerien

Von Russland nach Kasachstan

Ich stehe kurz vor der Grenze zu Kasachstan in einer Region die bis zum zweiten Weltkrieg von Russlanddeutschen bewohnt wurde.
Viel ist davon aber heute nicht mehr zu merken.

Wenn ich morgen um diese Zeit über die Grenze fahre werden sich ein paar Kleinigkeiten ändern.
Zum ersten funktioniert mein Navi nicht mehr und ich kann mich ab jetzt auf die genaue Navigation mit meiner Weltkarte verlassen.
Zweitens funktioniert ab der Grenze auch der ADAC Rettungsschirm nicht mehr. Im europäischen Teil Russlands hätte mich noch eim alter Abschleppwagen abgeholt.
Ehrlich gesagt hätte ich das schon gerne ausprobiert.
Das Wichtigste ist aber der dritte Punkt. Ab morgen kann ich nicht einfach so nach Hause fahren. Ohne ein neues Visum werden ich nicht sehr weit kommen.
So langsam wird mir klar dass dieser kleine Ausflug doch etwas länger dauern könnte.
Es ist dann jetzt wohl mal an der Zeit mir Gedanken zu machen wo ich eigentlich hin will.
Für den Iran habe ich ja bereits das gültige Durchfahrtscarnet, vielleicht werde ich es ja brauchen.

Ich glaube nicht dass sich morgen sehr viel verändern wird. Ich werde immernoch auf staubiger Steppe stehen, der Verkehr wird genau so chaotisch sein wie jetzt und dass die Straßen besser werden glaube ich schon gar nicht … Aber ich lasse mich gerne überraschen.

Da wir gerade vom Auto sprechen, es gab noch keine Probleme und außer ein paar Kleinigkeiten keine tourbeeinflussenden Schäden.

Wenn ich bedenke dass ich die Artikel über den russischen Straßenverkehr, die Polizei und Korruption über Überfälle und die allgemeine Politik vor der Tour mit Stirnrunzeln gelesen habe, kann ich mir jetzt mein eigenes Bild malen und es ist bunt und positiv.

– – –

Aus den angenehm kühlen Bergen ging es relativ zügig durch kochendheiße Steppe bis nach Elista, der einzigen buddhistischen Gemeinde in Europa. Bei den Tempeln war auch immer ein Hauch von Tibet zu spüren.

– – –

Das Wolga Delta am Kaspischen Meer wollte ich unbedingt sehen.


Ves hat sich natürlich direkt mit der örtlichen Straßenhunde Gang angefreundet. Wir sehen ja jeden Tag so viele Straßenhunde aber diesmal ist es mir wirklich schwer gefallen den kleinen Wolfgang nicht einzupacken.

Auf dem Weg lag dann noch die berühmt-berüchtigte Stadt Volgograd, aus den Geschichtsbüchern besser bekannt als Stalingrad.
Im zweiten Weltkrieg wurde die Stadt ein Symbol für die rote Armee und der Wendepunkt beim Russland Feldzug der deutschen.
Entsprechend ikonisiert wird die Stadt auch heute noch.

„Mother Russia“ ist über 70m hoch

Der Volga-Don Kanal

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Ves hat es leider doch erwischt. An einem sehr schönen Schlafplatz wurden wir heimtückisch von zwei Schäferhunden überfallen.
Ves hat einiges abbekommen und ich musste sogar mit ihm zum Tierarzt fahren.
Es gehört nicht unbedingt zu meiner Lieblingsbeschäftigung zwischen zwei scharfe Hunde zu springen.
Zum Glück ist ihm außer ein paar blutenden Bisswunden nichts passiert. Ich habe gar nichts abbekommen.
Auf den Röntgenbildern waren keine Knochenbrüche zu sehen und inzwischen geht es ihm schon wieder ganz gut. Bis das gesamte Fell wieder nachgewachsen ist wird aber noch etwas dauern.

erstmal gerettet

Es waren übrigens keine Straßenhunde aber den Besitzer hat die ganze Sache nicht sehr interessiert.

Noch etwas zerzaust aber wieder auf vier Beinen unterwegs

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Mein Visum läuft in drei Tagen aus und es ist wahrscheinlich nicht das Schlechteste mit einem kleinen Zeitpuffer an der Grenze anzukommen.

Vielleicht ist ja doch noch eine PKW Bescheinigung notwendig oder ein übermotivierter Grenzbeamte kommt auf die Idee dass im Hundepass ein Stempel fehlt.

Die jeweils örtliche Registrierung für Touristen wird eigentlich vom jeweiligen Hotel vorgenommen. Ich übernachte ja im Auto und habe mich deshalb nicht registrieren lassen.
Ich bin mal gespannt ob das Ärger gibt.

Den nächsten Blog gibt es dann aus dem neunt-größten Land der Erde.
Ihr könnt ja in der Zwischenzeit  die Plätze zwei bis acht nachschlagen. Der erste Platz sollte wohl bekannt sein.

Kilometerstand 7479

täglich frische Melonen

Straßenbeleuchtung russian style

so ein Dreckshund

Kaukasus

Die paar Tage Pause am Strand haben gut getan und ich bin mit neuer Energie zum nächsten Ziel aufgebrochen, dem Kaukasus.
Die Bergregion beheimatet u.A. den höchsten Berg Europas. Mt. Elbrus ist mit 5642m noch einmal 832 m höher als der Mont Blanc (der höchste Berg westeuropas).
Hier oben angekommen fiel das Thermometer dann auch ganz schnell unter 10’C und ich war, besonders am Mt. Elbrus, dann doch froh dass ich meine dicke Decke eingepackt habe.
Im Winter wird es hier übrigens -20’C kalt. Ein Erlebnis auf das ich dieses Mal gerne verzichten kann.

 

Am Gum-Bashi Pass waren die Wetterbedingungen so optimal dass ich zum zweiten Mal auf dieser Tour die Drohne ausgepackt habe.
Es waren wunderschöne Luftahmnahmen im Verfolger Modus hinter dem Reisemobil her. So klare Bilder aus über 200m Entfernung…

Plötzlich … rotes geblinke und wildes gepiepe auf der Fernbedienung.
„GPS Signal verloren. Flugobjekt landet.“ …

Nach einer Stunde suchen habe ich mich damit abgefunden dass ich das Kaukasus Gebirge ohne Drohne verlassen werde.

 

Mt. Elbrus selbst war bei meinem Besuch im Nebel versteckt, was einen Aufstieg bzw. eine Gondelfahrt recht sinnlos machte.
Da ich die plötzliche Klimaveränderung nur mit einem Halskratzen überstanden habe, gönnte ich mir einen Tag mit Tee und Keksen und sah amüsiert zu wie viele voll ausgestattete Bergsteiger meinem Beispiel folgten.

Nebenbei habe ich eine Packung Asperin für 8CENT!!! gekauft und dann müsste mir jetzt mal wirklich jemand erklären wie solche Preise zu Stande kommen.

Ein wenig hat es mich schon gereizt direkt über die Grenze zu hüpfen. Georgien ist für deutsche sogar visafrei.
Stattdessen werde ich mich jetzt aber wieder auf den Weg nach Norden begeben.
Mein Visum läuft in zehn Tagen aus und ich möchte es noch über den Ural in den asiatischen Teil Russlands schaffen bevor ich nach Kasachstan fahre.

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Dem Hund geht es natürlich gut aber ich habe kein Hundefutter mehr und bin jetzt u.A. auf frisches Fleisch umgestiegen. Wenn jemand da ein einfaches Rezept zum Selbermachen hat, gerne her damit. Ich habe Reis, Kartoffeln und allerlei Gemüse in der Küchenschublade.

Der Steinschlag den ich letzte Woche abbekommen habe hat sich inzwischen zu einem stattlichen Riss entwickelt. Ich schaue in Ruhe dabei zu wie er sich langsam über die ganze Frontscheibe zieht.

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Mein nächster Eintrag wird dann der letzte aus Russland sein. Freut euch drauf.

bis nach Russland

Inzwischen bin ich seit fast zwei Wochen unterwegs. Während ihr diesen Blogeintrag lest, denkt bitte daran dass ich mit frischer Melone am Strand von Meganom auf der Krim sitze aber dazu später mehr…

Nachdem ich im ersten Teil des Sommers dann doch mehr gearbeitet habe als ich eigentlich wollte und sich meine Abfahrt deshalb um ein paar Wochen verzögert hat, war es nun wirklich höchste Zeit die Sachen zu packen.

Ich hatte mich ja schon vor einigen Monaten um das Russland Visum gekümmert. Es schreibt einen festen Ein- bzw Ausreisetermin vor, 1.8. bzw. 30.8. .

Übernachtung an der Abhörstation Teufelsberg in Berlin

Die Formalitäten für Vesuvio habe ich bei einem Zwischenstopp bei Veterinäramt in Frankfurt/Oder geklärt obwohl ich mir eigentlich sicher war dass sich niemand für eine Reisebescheinigung für den kleinen Hund interessieren würde.

Die ersten Tage waren vor Allem vom Fahren geprägt. Ich wollte erst einmal raus aus der EU.
Der direkte Weg über Weißrussland nach Moskau scheiterte an den Visakosten. Ein Blitzvisum ein paar Tage vor der Abfahrt hätten mit 250€ zu Buche geschlagen und so habe ich mich für den Weg über die Ukraine entschieden und dafür die russische Hauptstadt diesmal nicht zu besuchen.

Die Einreise von Polen in die Ukraine war, abgesehen von einer ewig langen Warteschlange an der Grenze relativ einfach. Reisepass und Fahrzeugpapiere genügen und natürlich hat sich niemand für die Hundepass interessiert.

Wann sind wir da?

Die erste Aufregung gab es dann in Tschernobyl, dem Atomkraftwerk das 1986 durch eine Explosion stark beschädigt wurde. Damals wurde eine Atomare Verseuchung von halb Europa befürchtet.

Was die Wenigsten wissen, die „unbeschädigten“ Reaktoren blieben noch bis zum Jahr 2000 am Netz, bis sie durch europäische Bestrebungen endgültig abgeschaltet wurden.

Das Kraftwerk ist heute ein Mahnmal und ein Museum des Schreckens. Ein Ticket für eine offizielle Besichtigungstour kostet 80€ und ist keinesfalls direkt am Eingang sondern lediglich in Kiew zu bekommen.

Da die Schranke für mich also verschlossen blieb sah ich die erste Möglichkeit einmal meine Drohne in Aktion zu sehen. Auf einem Feldweg einige hundert Meter entfernt entschwand sie in die Lüfte und landete nach zwei Minuten neben dem herbeigeeilten Polizeiwagen.
Als dummer Tourist beließen es die voll ausgestatteten Beamten bei einer Verwarnung, auch wenn ich eigentlich fest damit gerechnet hatte dass sie die Drohne direkt einmal behalten.

Bei der Landung der Drohne wartet bereits eine zivile Polizeieinheit.

Nach dieser Begegnung hatte ich kein großes Verlangen danach am nächsten Tag in Kiew auf eine Tschernobyl Tour zu springen, außerdem hätte der Hund nicht mit gedurft was bei über 50’C im Auto nicht sehr lange gut gegangen wäre.

Die Einreise nach Russland hat dann doch etwas länger gedauert als erwartet und natürlich ist der Hund wieder ohne ein Kommentar eingereist.
Vielmehr durfte er sich im Zollbereich frei bewegen.

Während meines Aufenthaltes im Zollbereich wurden mehrere LKWs mit Früchten kontrolliert und jeweils eine Kiste zur „Qualitätssicherung“ ins Büro gebracht was sehr bald dazu führte dass sowohl das Büro als auch mein Rucksack voller Äpfel war und jeder Anwesende laut schmatzend an einem roten Apfel knabberte. Schon irgendwie seltsam.
Meine Milka Schokolade wollte niemand „sichern“, auch wenn ich sie noch extra für diesen Zweck gekauft hatte.

Autofahren ist Russland ist eigentlich ganz einfach, solange sich jeder an die geltenden Regeln hält. Leider tut es aber niemand und das macht die Sache etwas kompliziert.
Die meisten Überlandstraßen sind fast frei von Schlaglöchern. In den Dörfern ist es eher das Gegenteil. Es ist immer damit zu rechnen dass eine Wiese oder ein Schotterweg am Rande der Fahrbahn plötzlich zur Überholspur wird.

Mit Englisch habe ich hier wenig Chancen, das wird sich auch in nächster Zeit auf meiner Route nicht ändern, aber mal wieder helfen Hände und Füße bei der allgemeinen Verständigung.

Auf dem Weg nach Sochi und zum Schwarzen Meer habe ich mir dann doch eins nicht nehmen lassen. Einen Besuch auf der Krim.

Die Krim ist traditionell ein Urlaubs Hotspot der Russen. Nach der Anektion der Krim 2014 hat Putin ganz schnell eine neue, vierspurige Brücke bauen lassen und damit die alten Fährverbindungen abgelöst.

Nebenan entsteht eine über 20km lange Eisenbahnbrücke. Es scheint nicht so dass Russland vor hat die Krim bald wieder zurück zu geben. Die neue „Grenze“ wird international nicht anerkannt und somit ist jeder Reisende, also auch ich, der von der russischen Seite die Krim besucht, ein illegaler Einwanderer in die Ukraine. Etwas verwirrend.
Es ist ein seltsames Gefühl zu wissen dass ich eigentlich irgendwie illegal hier bin aber von russischer Seite auch irgendwie nicht.

Die Halbinsel ist voll von russischen Urlaubern und ich gönne mir ein paar Tage Pause mit Camping am Strand.

Als nächstes geht die Tour weiter an der Schwarzmeerküste entlang Richtung Kaukasus Gebirge.

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