Santiago, Chile

Es war gut für eine kurze Zeit zu dem „normalen“ Altag zurück zu kehren. Kurz einmal aufzuwachen aus dem Traum den ich seit nun bereits zweieinhalb Jahren mein Leben nennen darf. Es war eine notwendige Pause von einem Tagesablauf der mir am Ende vielleicht ein wenig zu normal geworden war. Es war eine positive Abwechslung das Gefühl zu haben gebraucht zu werden und tatsächlich etwas Produktives mit meiner Zeit anzufangen. Es war schön meine Familie in die Arme zu schliessen und für kurze Zeit wieder in alte Gewohnheiten zu verfallen. Meine alten und sehr viele neue Freunde haben mir das Gefühl gegeben garnicht so weit weg gewesen zu sein wie ich manchmal dachte. Ich glaube dass ich gerade dieses Gefühl auf die nächsten Kilometer mitnehmen werde. Dieses Gefühl dass ich, so weit ich auch weg bin, immernoch eine Rolle Spiele in einer Gegend die ich für immer als „Heimat“ bezeichnen werde. Trotzdem, da war dieser Drang nach etwas Neuem und schliesslich galt es einen Termin einzuhalten. Eine Verabredung mit Karoline die ich vor zwei Jahren in Island getroffen hatte. Schon damals, im Sommer 2008 hatten wir von einer Tour durch Südamerika geträumt und nun, am 31. Juli 2010, sollte es endlich so weit sein. Mein erster Zwischenstopp auf dem Weg nach Chile war das Hotel „Tropics“ in Miami Beach, USA, meine favorisierte Adresse hier unten, nicht nur weil es das günstigste Bett direkt am Strand ist.Vom Flughafen in Ft. Lauderdale ging es dann Richtung Südamerika und in Richtung der ersten Probleme. Durch gesetzliche Vorgaben sind die Fluggesellschaften verpflichtet eine Ausreisebestätigung aus Peru zu kontrollieren bevor sie ein Ticket ausstellen dürfen. In meinem Fall, mit einem einfachen Flug, ist diese Bestätigung bereits fehlgeschlagen. Das zweite Problem war eine, von der Fluggesellschaft selbst auferlegte Sperre für Übergepäck auf Flügen nach Lima. Mehr als 25Kg in einem Koffer sind einfach nicht erlaubt. Es war nicht bevor der Manager selbst zum Schalter kam um sich das Problem anzusehen dass ganz plötzlich der Zusatz „+ 1x Sportgepäck“ auf meinem Ticket zu lesen war. Der Weg war frei für 47Kg Fahrradausrüstung.Das andere Problem lies sich nicht so einfach lösen und eine e-mail des Zuständigen Amtes in der peruanischen Regierung gab die zerschmetternde Erkenntnis: „Ohne ein Ausreiseticket ist die Einreise nach Peru nicht möglich!“ Ich musste also auf Plan B umsteigen, eine Lösung von der ich schon so oft gelesen habe aber niemals selbst betroffen war. Ein Ticket musste her. Nach einer endlosen Stunde mit einer trotz allem entspannten Schalterbeamtin hatte ich meine Bordkarte nach Peru in der Hand und einen Weihnachtsrückflug nach Miami in der Tasche. Ob ich den brauchen werde... das wird die Zukunft zeigen. Fünfzig Stunden waren für die Busfahrt nach Santiago eingeplant und, oh ja, fünfzig Stunden hat es gedauert! Ein wenig Luxus habe ich mir aber doch gegönnt, 1. Klasse über die Panamerikana. Und dann, irgendwo in der peruanischen Wüste, als die Sonne über den am Horizont emporsteigenden Andenausläufer zum Vorschein kam, war es plötzlich wieder da. Dieses Gefühl unterwegs sein zu wollen, auf dem Weg in die Ungewissheit in der ich mich so wohl fühle. Auf dem Weg zu neuen Erkenntnissen aber auch auf dem Weg zu Problemen und ihren,manchmal sehr unkonventionellen Lösungen. Kurz, auf dem Weg zu neuen Abenteuern in einer für mich neuen Welt. Jetzt sitze ich mit Karo in einer Herberge in der Hauptstadt Chiles. Um uns herum tobt das übliche, südamrikanische Chaos aber uns kann das nicht aus der Ruhe bringen. Wir sind beide gespannt auf die nächsten sechs Wochen in Chile, Bolivien und Peru und eines ist schon jetzt klar, schief gehen wird hier nichts, wenn sogar dieses Treffen funktioniert hat das wir auf einer kleinen Insel einige tausend Kilomenter entfernt vereinbart hatten