Istanbul

Ich bin in der Türkei.

In den letzten zwei Wochen bin ich fast 3000 km mit Bussen und Zügen gefahren. Meine Stimmung passt gut zu der Tristes von kalten, osteuropäischen Orten und die Umgebung hilft nicht unbedingt dabei dass ich mich besser fühle. Ich merke wie langsam einige Lasten verschwinden, vor allem verursacht durch die Abgeschiedenheit und das damit fehlende Internet. Soziale Netzwerke können grausam sein, das habe ich gemerkt.

Bis ich das erhoffte Glück wieder greifen kann wird es aber wohl noch ein wenig dauern.

Der grimmig aussehende Grenzbeamte in der Ukraine war der einzige der mir ein kurzes Lächeln ins Gesicht zaubern konnte als er den Einreisestempel in meinen Reisepass drückte. Wegen des Ukrainekrieges musste ich meinen spontanen Plan ändern und aus Odessa die Busverbindung entlang der Schwarzmeerküste wählen anstatt der von mir bevorzugten, jedoch stillgelegten Fähre nach Istanbul. Auch die Türkei hatte vor einer Woche einen überraschenden Wintereinbruch erlebt. Inzwischen sind die Straßen gesäumt von Schneematsch.

Ich werde nicht, wie eigentlich gedacht, hier wieder aufs Fahrrad steigen sondern bevorzuge noch ein paar Tage die schnellere Variante mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Trotz allem bin ich unterwegs. Vielleicht steht ja irgendwo der sprichwörtliche Topf mit Gold unter dem Regenbogen. Wenn ich vor dem bunten Farbenspiel stehe wird mein Lächeln schon von selbst wiederkommen.

Alles hat seine Zeit

Ich bin in Ulm und kurz davor aufs Wasser zu steigen. Ich bin erst zwei Wochen unterwegs und doch hat sich in dieser Zeit Vieles verändert. Es ist kalt und einige Tage überraschen mit Schnee und Eis. Im Moment ist es anstrengend voran zu kommen und ein 30kg Boot im Schlepptau trägt nicht unbedingt dazu bei einen neuen Geschwindigkeitsrekord aufzustellen.

Es gab Zeiten da habe ich morgens voller Vorfreude die Augen aufgeschlagen. Das Wetter war egal, es war einfach die Spannung die mich meistens noch vor Sonnenaufgang wach werden ließ. Die Freude einen neuen Tag zu starten, voller Ereignisse und ungeahnten Möglichkeiten. Während der letzten Monate habe ich dieses positive Gefühl verloren. Ich bin nicht mehr Neugierig was wohl kommen mag und hoffe möglichst nicht dass etwas unerwartetes passiert. Wenn ich heute meine Augen aufmache graust es mich vor jedem neuen Tag. Ich brauche ewig um aus dem Schlafsack heraus zu kommen und mein Zelt zusammen zu packen. Es gibt für alles eine Zeit und vielleicht ist meine Fahrrad- Reisezeit einfach vorbei. Ich wollte nie einer dieser Hippies sein die den Absprung verpassen und plötzlich ist es zu spät.

Neben meinem Weg liegen im Moment einfach zu viele ungeklärte Ereignisse. Ich kann nicht einfach so darüber hinweg rollen, sie machen die Tour vielmehr zu einer recht wackeligen Angelegenheit. Um unterwegs sein zu können muss man als allererstes im Reinen mit sich selbst sein. Zehn Stunden Fahrradfahren ist wie Meditation in einem Tempel, nur für sich selbst, inmittem dem Leben. Man hängt sich an einem einzelnen Gedanken auf und denkt den ganzen Tag an nichts Anderes. Früher war es mal die nächste Route, das nächste Land oder ein schöner Abschnitt den ich gerade erlebt hatte. In letzter Zeit ist es eher die Frage warum ich mir das Alles antue. Wenn ich in den Spiegel gucke, merke ich dass ich das Leuchten in den Augen verloren habe.

Ich habe in den letzten zwei Wochen gekämpft diese schlechten Gefühle hinter mir zu lassen aber sie haben mich immer wieder eingeholt. Es hat keinen Sinn vor etwas davonzulaufen dem man nicht entkommen kann. Ich habe vor ein paar Tagen einen Brief bekommen. Die letzten Zeilen sind, „Dir stehen alle Möglichkeiten offen, also nutze sie so wie du es magst.“

Heute habe ich mich entschieden meine unendlichen Möglichkeiten dafür zu nutzen wieder glücklich zu werden. Es tut mir leid für alle Menschen die an mich geglaubt und mich mit all ihren Kräften unterstützt haben. Ich werde mich nun auf andere Wege begeben und wer weiß, vielleicht komme ich ja zurück wenn ich das Glück wieder mein eigen nennen kann. Bis dahin wird einiges passieren, die Reise ist noch lange nicht vorbei.

Unterwegs am Rhein

Inzwischen bin ich seit einigen Tagen unterwegs auf dem Rheinradweg.

Der Abschied in Köln war emotional. Zuerst, wie ja schon vorher angekündigt nach einem netten Frühstück bei meiner Oma, dann aber noch einmal als sich am Kölner Dom überraschend eine Gruppe Freunde eingefunden hatte um mir die besten Grüße mit auf den Weg zu geben.

Ständig verfolgt von einer surrenden Kamera kam ich mir auf den ersten Kilometern schon ein wenig vor wie ein Filmstar.

Die erste Nacht zeltete ich dann direkt an der kölner Stadtgrenze im Biergarten eines Restaurants.

Das Wetter hält sich gut. Es ist trocken aber knackig kalt. Zeitweise steigt das Thermometer den ganzen Tag nicht über der Gefrierpunkt.

Nachdem ich in Koblenz und Bingen in Rheinland- Pfälzischen Jugendherbergen übernachten durfte, bin ich jetzt in Mainz bei Freunden untergekommen, eine erfreuliche Abwechslung noch einmal vertraute Gesichter zu sehen.

Jetzt geht es weiter am Rhein entlang, immer der Donau entgegen.

Der Countdown läuft

Es ist nichtmal mehr eine Woche bis zu meiner Abfahrt aus Brauweiler bei Köln. Mal wieder werde ich am 1.Februar nach eine Frühstück mit meiner Familie in die Pedalen treten. Nachdem ich die letzten Vorträge über die 2010er Tour in Köln und Düsseldorf erfolgreich über die Bühne gebracht habe, steigt die Nervösität doch spürbar an. Meine Sachen sind bereits verpackt und ich könnte schon morgen früh starten. Einmal mehr sind die letzten Tage vor der Abfahrt endlos lang. Die erste Etappe steht inzwischen fest. Ich werde aus Köln richtung Donauquelle radeln und nach einer Woche zum ersten mal mein Kajak zu Wasser lassen. Auf der Donau geht es dann bis zum Schwarzen Meer und dort an der Küste entlang nach Istanbul. Den eigentlichen Plan durch die Ukraine zu fahren musste ich leider wegen den politischen Entwicklungen verwerfen. Ich durchforste das Internet nach letzten Tipps und möglichen Umwegen oder Abkürzungen. Es war ein langer Weg bis hierhin, fast zwei Jahre Planung mit vielen Höhen und Tiefen, einigen Rückschlägen aber weitgehend positiven Erfahrungen. Ich habe viele neue Möglichkeiten gefunden und einige neue Ideen auf deren Verwirklichung ich sehr gespannt bin. Alle Kamera Akkus sind aufgeladen und ich freue mich schon jetzt darauf mein erstes Videotagebuch aufzunehmen. Ich verfolge ja den ehrgeizigen Plan einen Film über die gesamte Tour zu produzieren. Nach dem Erfolg von meinem ersten Buch "Meine Welt, meine Reise" wird da sicher auch wieder was schriftliches nachkommen aber bevor es soweit ist muss ich erst einmal los fahren 🙂

Es geht wieder los

Eine Reise rund um die Welt ist immer ein Abenteuer. Heiße Wüsten und undurchdringliche Urwälder, weiße Sandstrände an schier endlos scheinenden Ozeanen, sich empor schlängelnde Schotterwege in die höchsten Gebirge der Erde, wilde Tiere und verschiedene Kulturkreise in den unterschiedlichsten Gebieten dieses Planeten. Wer träumt nicht davon einmal die Sonne über der Serengeti aufgehen zu sehen, dabei eine Elefantenherde beim Morgenbad zu beobachten oder seine Hängematte zwischen zwei Mammutbäumen in Kanada aufzuspannen? Das Adrenalin, das durch den Körper schießt bei jedem Paddelschlag auf den größten Gewässern der Welt oder die Schmerzen durch eine Million Nadelstiche während eines tropischen Platzregens. Es ist eine faszinierende Welt, voller Gegensätze und Überraschungen und es gibt wohl keinen besseren Weg als sie mit eigener Muskelkraft zu erkunden, in einem Tempo, das es zulässt, die Umwelt einzusaugen, mit all ihren Gerüchen und Eindrücken. Ich werde eine 65.000 km Radreise mit einer 20.000 km Kajaktour kombinieren und am 1. Februar 2015 auf dieses neue, unglaubliche Abenteuer durch 57 Länder über vier Kontinente starten.