kurzer Stopp zu Hause

Ich bin wieder zu Hause! Es geht alles so schnell. Vor drei Tagen war ich noch im heißen Asien unterwegs und heute sitze ich am Mittagstisch im herbstlichen Köln. Vor der Tür steht mein Auto dass ich nach meiner Landung in Berlin abgeholt habe. Seit meiner Abfahrt im Februar hat es niemand mehr bewegt und ich bin selbst überrascht in was für einem guten Zustand es ist. Warum ich zurück gekommen bin? So genau kann ich das gar nicht sagen. Es war einfach ein Gefühl. Ist es Zeit für einen Neuanfang? Ich denke nicht. Jedenfalls nicht sofort. Ich bin froh wenn ich das Fahrrad für ein paar Wochen nicht sehen muss.

Wie geht es nun weiter? Ich bin weiterhin auf der Suche. Zunächst einmal suche ich etwas das sich zu suchen lohnt. Ich werde noch heute Nachmittag ins Auto steigen und mich auf den Weg nach Italien machen. Ich bin noch nie richtig durch Italien gereist und freue mich auf einen kleinen Roadtrip. Ich bin gespannt was unterwegs alles passiert und welche Abenteuer ich auf den nächsten 3.000km erleben werde. Wir sehen uns zu Weihnachten... zurück im schönen Köln.

zurück auf Bali

Es war eine spontane Idee und ändert mal wieder alles. Ich bin zurück auf Bali, mit den Füßen im selben Swimmingpool in dem ich schon vor sechs Monaten gebadet habe. Das war es also mit Australien und ab jetzt bin ich wieder in Asien unterwegs. Es war so spontan dass ich erstmal keinen Plan habe wo es hin gehen könnte aber es gibt genug Wege und ich freue mich wieder auf das Ungewisse. Australien war super. Es ist und bleibt eines meines Lieblingsländern und ich werde mit Sicherheit irgendwann wieder hin fahren, nicht zuletzt um mein Kajak abzuholen das irgendwann in Cairns ankommen wird. Dieses Boot ist wirklich verhext und inzwischen bin ich selbst gespannt wann ich zum ersten Mal einsteigen werde. Für die nächsten Monate in Asien sieht es nicht danach aus. Es ist vorbei mit 2 Minuten Nudeln, roten Bohnen für 65cent und pappigem weißen Toastbrot. Ich freue mich auf mein erstes Nasi Goreng und einen Fruchtshake, dann geht es los... wir sehen uns unterwegs.

wieder kurz davor…

Es ist kaum zu glauben und so langsam scheint es als ob auf meinem Kajak ein böser Zauber läge. Jedes Mal wenn ich kurz davor bin ins Boot zu steigen passiert etwas unerwartetes was meine Pläne einmal mehr über den Haufen wirft. Heute kam es in Form einer Krokodil- Tourfirma, mein letzter info Stopp für das anstehende Kajakabenteuer. Es dauerte nur wenige Minuten um mir zu erklären dass mein Vorhaben einem Selbstmord gleicht. „Zurzeit herrscht eine erhöhte Aggressivität unter den Krokodilen. Die großen Reptilien sind sehr territorial und die paarungsbereiten Männchen wehren sich gegen Eindringlinge. Es ist bestimmt möglich aber es ist die falsche Jahreszeit. Ohnehin ist es immer die falsche Zeit einem Krokodil auf offenen Wasser zu begegnen.“ Diesmal habe ich mich wirklich überzeugen lassen. Der Cape York Trip ist verschoben und ich werde jetzt (viele) schoko Kekse essen und mir etwas Neues überlegen. Ich bin sehr enttäuscht und ärgere mich ein wenig über mich selbst. Eines ist klar,ab jetzt bin ich wieder mit dem kompletten Gespann unterwegs. Fahrrad, Anhänger und Kajak mit einem Gesamtgewicht von 70kg.

zurück in Cairns

Ich habe es also doch geschafft. Ich bin dem Winter entkommen und habe mich mit samt dem Fahrrad auf den Weg von Hobart nach Cairns gemacht. Der Flug mit der großen Kiste war natürlich wieder nicht so einfach weil ich mit 40kg natürlich (wie immer) mein Fluggepäck überschritten hatte. Natürlich habe ich das ja aber schon oft gemacht und nachdem das Fahrrad mit 20kg gewogen wurde sind auf dem Weg zum Oversize Schalter plötzlich 10 extra Kilo in die Kiste gewandert... kein Problem 🙂 Beim Abflug in Tasmanien war es 2'C kalt und bei der Ankunft in Cairns genoss ich ein Frühstück bei 27'C. Ab jetzt bereite ich mich auf die Kajaktour zum Cape York vor. Vor ein paar Tagen habe ich mein Visum für Papua Neu Guinea bekommen. Weil es kein extra Visum für Kajakreisende gibt, bin ich ab jetzt stolzer Besitzer eines „Yacht Crew“ Viums und bin offizieller Kapitän. Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung wie es sein wird die nächsten 1.000km an der Küste entlang zu paddeln aber ich denke ein neues Abenteuer ist genau das was ich brauche. Natürlich besteht ein gewisses Risiko aber ich versuche es durch gute Vorbereitung so gering wie möglich zu halten. Ich habe ein neues GPS, eine Angel und natürlich eine Schwimmweste.

Ich habe mich bei vielen verschiedenen Stellen informiert und mit Dutzenden von Leuten geredet. Die Meinungen über Papua Neu Guinea sind gespalten und es gibt viele Pros und Contras. Das größte Plus und das Entscheidende ist aber meine Entscheidung dieses Fläckchen sehen zu wollen. Jetzt kommt die Frage, was nehme ich mit? PNG scheint zum Fahrradfahren äußerst ungeeignet zu sein.

Es war keine einfache Entscheidung die richtigen Sachen einzupacken und nach langem Überlegen habe ich beschlossen mein Fahrrad in Australien zu lassen. Wenn ich den vielen Stimmen glaube sind die Chancen überfallen zu werden doch recht groß und ich möchte meine restliche Tour nicht durch den Verlust meines KOGAs riskieren.

Ab jetzt bin ich also mit dem Kajak unterwegs, erstmal ohne Fahrrad was gleichzeitig bedeutet dass ich in naher Zukunft nach Australien zurück kommen werde.

Hobart

"Tasmanien ist traumhaft. Die Flüsse plätschern vor sich hin, wunderschöne Sonnenaufgänge über steilen Bergwänden. Kleine Dörfchen die verschlafen zwischen grünen Hügeln liegen und die klarsten Seen die man sich vorstellen kann. Natürlich ist das im Sommer. Im Winter gibt es hier nicht viel zu tun. Das ist die falsche Jahreszeit um hier mit dem Rad zu fahren." Was hab ich mir nur dabei gedacht diese Fähre nach Tasmanien zu nehmen? Zugegeben, die Überfahrt war sehr angenehm aber es ist Winter und ich hatte mich schon fest darauf eingestellt diese Australientour in Melbourne zu beenden. Naja, wahrscheinlich habe ich garnicht viel gedacht und dafür habe ich in den letzten Tagen die Quittung präsentiert bekommen. An fünf von meinen sechs Tasmanien Reisetagen hat es geregnet. Der eine, es war der zweite Tag, hat sogar sonnig begonnen bis am Nachmittag ein Schneesturm eingesetzt hat. Es war so sehr viel hügelieger als die Südküste vor Melbourne und obwohl ich auf Meereshöhe gestartet und angekommen bin, bin ich der festen Überzeugung dass es meistens bergauf ging. An manchen Tagen ist das Thermometer nicht über den Gefrierpunkt gestiegen. Trotzdem war ich die meiste Zeit mit kurzer Hose unterwegs. Beim radeln werden die Beine warm. Der Kopf nicht und ich habe den Helm gegen Mütze und Kaputze getauscht. Meine Handschuhe habe ich währen der gesamten letzten Woche nicht ausgezogen. Ich habe gemerkt dass es unglaublich befreiend ist nicht den ganzen Tag an irgendwelchen Blödsinn denken zu müssen. Meine einzigen Gedanken waren rein existenzell und ich versuchte mich ständig daran zu erinnern nicht zu erfrieren. Ich kann mich wahrscheinlich nur den vielen Stimmen anschließen die es schon im Voraus gesagt haben, es ist einfach nicht die richtige Zeit um durch Tasmanien zu reisen. Trotzdem, trotz Regen und Schnee, gefrorener Füße, Finger und meiner armen Nase, Tasmanien hat etwas besonderes und nachdem ich jetzt das zweite Mal im Winter hier unten war wird es wohl mal Zeit im Sommer wiederzukommen. Nun wiederhole ich das was ich schon letzte Woche in Melbourne gesagt habe. Ich sehe keinen Grund darin noch einmal irgendwo im Winter Fahrrad zu fahren. Nächster Stopp Queensland. Ich komme zurück in die Sonne.

Melbourne

Die Südküste ist wunderschön auch wenn das Wetter in den letzten Tagen eher deutschen Herbststandart hatte. Ich bin die Strecke entlang der Küste vor drei Jahre schon einmal gefahren. Damals in die andere Richtung von Melbourne nach Sydney zusammen mit Jimmy und Nick. Ich konnte mich nicht mehr an alle Kleinigkeiten erinnern aber immer wieder es waren doch einige markante Punkte und viele Übernachtungsplätze die mir bekannt vorkamen. Leider muss ich auch sagen dass das Zelten zu dritt um einiges lustiger war als die Nächte alleine im dunklen Wald zu verbringen. Was ich nicht mehr wusste, es ist so hügelig und ich bin der festen Überzeugung dass einige Anstiege damals noch nicht da waren. Bei Morgentemperaturen um den Gefrierpunkt habe ich mein Frühstück von Porridge, also gekochten Haferflocken zu Brot geändert und die letzten Tage im Zelt, im Schlafsack gefrühstückt. Es ist mein erster Winter im Süden Australiens und ich kann verstehen dass sich die "Grey Nomads" nach Norden aufmachen. Es ist kalt und äußerst ungemütlich. Ich denke ich kann sagen dass ich auf dem Fahrrad keinen weiteren Winter erleben muss und meine Route in nächster Zeit etwas nach den Jahreszeiten ausrichten werde. Es spricht eigentlich nichts dagegen für ein paar Jahre durchgehend Sommer zu haben. Für all diejenigen die mich belächelt haben weil ich ein zweites paar Schuhe mit mir rumschleppe: Was glaubt ihr wie ich gelächelt habe als ich drei Abende hintereinander von triefend nassen Fahrradschuhen in trockene Turnschuhe wechseln konnte. Ich habe die Tour gut überstanden. Mein Laptop hingegen weniger und im Moment kämpfe ich gegen eindringende Feuchtigkeit in der Festplatte. Pessimisten würden jetzt auf die vielen verlorenen Fotos verweisen aber ich sage es ist eine Chance endlich ein Tablet zu kaufen. Nach 6.500km und drei Monaten Downunder endet meine kleine Australiendurchquerung in Melbourne. Ich habe genug von der Kälte und werde in den nächsten Tagen in die Sonne zurückkehren. Es gibt einige Dinge zu planen. Ich werde mein Kajak in Empfang nehmen und mich auf das nächste Abenteuer vorbereiten. Das war #CyclingAustralia - jetzt folgt #KayakTheCape

Sydney

Da bin ich also mal wieder in Sydney. Es war ein gutes Gefühl über die große Brücke in die Stadt zu rollen. Wie es zu erwarten war steht das Opernhaus immernoch am selben Platz im Hafen und natürlich habe ich auch diesmal wieder ein Willkommensfoto auf den Stufen gemacht. In Sydney endet die Ostküste, jedenfalls für mich. Grund genug für einen Rückblick auf die letzten sechs Wochen seit ich in Cairns gestartet bin. Auf den 3000km Ostküste habe ich den Ozean nur selten für einige hundert Meter gesehen. Die Küstenstraße führt geichmäßig mit einem Abstand von über 20km zum Wasser von Nord nach Süd. Da wo der Strand in Sicht kam war er... mhh... sandig. In den letzten Wochen ist es merklich kälter geworden und ich bin froh dass ich mich auf meinen Schlafsack verlassen kann. Inzwischen starte ich die Tage in langer Hose, mit Mütze und Handschuhen. Ich habe an den meisten Tagen einen schönen Platz zum Zelten gefunden und hatte während der letzten 1000km von Brisbane nach Sydney sogar fünf verschiedene Gastgeber die mich aufs beste versorgt haben. In Sydney anzukommen ist natürlich etwas besonderes, so dachte ich jedenfalls immer. Als ich mit vollem Gepäck meine Kamera vor dem Opernhaus klicken lies war es irgendwie wie immer. Als ob ich nie weg gewesen wäre und doch ist mein letzter Besuch hier schon über zwei Jahre her. Mit der Ankunft habe ich die Australienumrundung vollendet die ich 2012 als Teil des Lifeuphoria Teams (http://www.Lifeuphoria.com) begonnen hatte. In den nächsten Tagen werde ich mein Rad einem Komplettcheck unterziehen. Auf den letzten 10.000km hatte ich keinerlei Probleme mit dem Worldtraveller und damit das auch auf den nächsten 10.000km so bleibt braucht das Rad ein wenig Liebe. Schwalbe und Rohloff sorgen gut für mich und ich hatte bereits neues Öl für die Nabenschaltung und einen Satz neue Reifen in der Post. Vielen dank dafür! Die Bremsen sehen noch hervorragend aus und der Riemen hat keinerlei Verschleiserscheinungen. Eine tolle Maschine. Anders als Anfangs geplant habe ich keinen Flug gebucht und werde erstmal nach Melbourne weiter fahren. Noch einmal 1000km an der Küste entlang. Zuerst mache ich aber ein paar Tage Pause.

Brisbane

Durch den starken Gegenwind habe ich in an manchen Tagen nicht mehr als 80km geschafft. Zeitweise ist meine Geschwindigkeit sogar auf 10km/h gesunken was natürlich recht frustrierend ist. Der Verkehr nimmt täglich zu um so weiter ich nach Süden komme. Hunderte von Wohnmobilen und Trucks fahren jeden Tag an mir vorbei. Ich habe mir mal die Mühe gemacht zu zählen und es waren ca. 650 LKW und über 500 Wohnwagen pro Tag. Wo es möglich ist machen sie einen großen Bogen aber manchmal kommen sie schon recht nah und wenn ich meinen Arm ausstrecke könnte ich sie locker berühren. Die Einfahrt nach Brisbane, der nach Sydney zweitgrößten Stadt an der Ostküste war sehr mühsam, wie erwartet. Durch das australische „Road upgrade program“ wurden fast alle Direktverbindungen zu Autobahnen ausgebaut. Fahrräder nicht gestattet! Gerade in der direkten Umgebung der Städte kann man sehen dass Australien nicht sehr fahrradfreundlich ist. Ich habe mir jetzt mehrere Tage lang den Kopf zerbrochen wie es weiter geht wenn ich in Sydney ankomme. Es scheint als ob es einfach die falsche Jahreszeit ist, egal was ich mache. Ich möchte aber auch keine künstlichen Umwege machen oder langsamer fahren nur damit die Zeit vorbei geht. Für Alaska ist es bereits zu spät, da fahre ich dann voll in den Winter rein. Ich habe mir auch einige Strecken durch Afrika und Indien angesehen aber die enden alle mit einem weiteren Flug oder liegen auf direktem Weg zurück Richtung Europa und da will ich nicht hin, noch nicht. Natürlich könnte ich zurück nach Asien aber da komme ich ja gerade her und in Südamerika, vor Allem in Patagonien herrscht gerade tiefster Winter und ich würde ohne Zweifel einige Schneeflocken abkriegen. Ich habe mich schließlich entschieden einfach gar nicht ins Flugzeug zu steigen und stattdessen noch ein wenig mehr das "Hinterland" (ja, das heißt wirklich so) von Australien zu erkunden. Ich habe ja keinen Stress und keine Termine und weil ich Australien mag macht es Sinn einfach noch etwas hier zu bleiben. Wir werden sehen wohin mich mein Weg noch führen wird und ins Flugzeug steigen kann ich schließlich überall.