Newcastle, England

Nachdem ich mich für den Umweg über Norwegen und gegen ein langes Warten entschieden hatte, bin ich in den letzten Tagen die Küste nach Süden herunter geradelt. Gerade auf den letzten Kilometern, nach der ‚Grenze‘ zwischen Schottland und England, schien es, als wolle mich die Insel nicht gehen lassen.

Ich erlebte jede Art von Hügeln und Bergen noch einmal. Kurze, steile Stücke, lang gezogene Passagen und lange Serpentinen bergauf und bergab. Gepaart mit Wind aus allen Richtungen (nie von hinten) und Regen aus allen Richtungen (meistens von vorne) wollte mich Irgendetwas von meinem Ziel abhalten. Als ich schließlich den Fährhafen in Newcastle erreichte, kam die letzte Trumpfkarte zum tragen. Das Boot fährt keineswegs, wie von mir erwartet, heute Abend, sondern erst morgen um 19 Uhr und ermöglicht mir zwei Tage lang die Stadt zu bewundern. Immerhin scheint heute die Sonne.

Die nächstmögliche Verbindung nach Island verkehrt am 29. März und es scheint wieder als ob manche Orte dieser Welt einfach nicht besucht werden wollen. Ich sehe mich also in den nächsten zehn Tagen mit meiner schlechtesten Eigenschaft, dem Warten, konfrontiert.

Aberdeen, Schottland

Es ist kaum zu glauben aber ich stecke fest.

Die Fährverbindungen auf die Orkney Inseln und weiter auf die Schetlands haben einwandfrei funktioniert.

Am Hafen von Lerwick kam dann die Ernüchterung. Die Fährgesellschaft hat die Verbindung von Aberdeen nach Island wegen ausbleibender Kundschaft gestoppt. Ab dem 18. Juni  wird die Strecke Scrabster- Island als Direktverbindung befahren.

Nach endlosen Versuchen ein Fischerboot für den weiteren Weg zu finden bin ich schließlich mit der Nachtfähre zurück nach Aberdeen gefahren. Durch den starken Wind und die Wellen hatte ich eine unruhige Nacht. Die Rehling wurde in diesen Stunden zu meinem besten Freund.

Ich habe nun zwei Möglichkeiten für die weitere Strecke:

1. Die nächsten drei Monate warten, oder

2. einen knapp 600 Kilometer Umweg radeln, zurück nach Westen. Von Newcastle gibt es Schiffe nach Norwegen und von dort aus verkehrt eine wöchentliche Fähre nach Island. Hoffentlich.

Ich finde die zweite Möglichkeit hört sich weitaus besser an und somit schwinge ich mich morgen wieder aufs Rad.

Nach den vielen Anfragen über meinen Kontostand muss ich hier einmal klarstellen dass ich genug Geld habe. Ich habe lediglich mein Bargeld verbraucht und in Schottland noch kein Neues abgehoben. Es wäre aber möglich!!! Trotzdem bedanke ich mich aber für die großzügigen Angebote von allen Seiten.

Inverness, Schottland

Im Gegensatz zum gestrigen Höllentag waren die heutigen 110 Km eine leichte Übung. Nach einer bequemen Nacht habe ich fast £ 3 (fünf Euro) in Brot, Marmelade, Kekse und Joghurt investiert.

Heute stand ‚Loch Ness‘ auf dem Programm das ich nach knapp 60 Km oder drei Stunden erreichte. Leider muss ich sagen dass es etwas enttäuschend war. Nachdem ich in den letzten Tagen sieben verschiedene ‚Lochs‘ gesehen hatte, erinnerten hier lediglich die Hotel- und Restaurantnamen an das große Monster um das sich hier eine ganze Industrie entwickelt hat.

Kurz nachdem ich die 2000 Km überschritten hatte, viel meine Gangschaltung aus. Die Jungs bei „highland bicycle“ in Inverness hatte die lose Schraube in zwei Minuten gefunden, aber bis in die Stadt hatte ich 10 Km höchster Trittfrequenz im zweiten Gang.

Der Countdown läuft: Bis zur Islandfähre sind es noch 130 Km oder zwei Tage!

Fort William, Schottland

Heute war der härteste Tag auf der gesamten Tour. Gleichzeitig war es auch der Überraschendste und am Ende vielleicht der Beste.

Nachdem ich die letzten Tage bei Schnee und Regen gezeltet habe, bin ich heute morgen in einem feuchten Zelt mit einem feuchten Schlafsack aufgewacht. Die Temperaturen waren in den letzten Tagen kaum über den Gefrierpunkt gestiegen und bei diesen Temperaturen besteht wohl keine irgendetwas zu trocknen. Weil ich nur noch wenig Geld habe beschränkte sich mein Frühstück auf eine Tasse Tee.

Die schottischen ‚Highlands‘ zu „durchklettern“ war heute kein großer Spaß. Es glich mehr einem Kampf gegen den heftigsten Wind den ich jemals gegen mich hatte, den heftigsten Regen und ein paar der steilsten Steigungen. In den ‚Highlands‘ gibt es keine Bäume, keinen Schutz gegen Wind und Regen. Jedes stoppen der Pedalen wurde bestraft. Es war, als würde ich rückwärts fahren. Den ganzen Tag habe ich keine Sonne gesehen und nach ein paar Minuten in diesem Wetter konnte ich bereits das Wasser in meinen Schuhen hören.

Nach einer Stunde unaufhörlichen Kletterns sah ich einen kleinen Wohnwagen der Snacks an die vorbeifahrenden Touristenbusse verkaufte. Ich wurde auf einen Kaffee eingeladen und auf ein Frühstücksbrot mit frisch gebratenem Speck. Als ich mich verabschiedete wurde mir noch etwas Schokolade zugesteckt. „Für die Energie unterwegs.“

Nach drei weiteren Stunden in denen ich die 10 Km/h Marke nie überschritt, geschah es plötzlich. Das Treffen das diesen Tag verändern sollte. Am Horizont, mitten im Nichts, sah ich eine Gestallt. Ein einsamer Wanderer auf dem Weg in den nächsten Ort. Ich stoppte mein Rad (was bei dem Gegenwind nicht so schwierig war) und wir unterhielten uns kurz.

Er lud mich ein, im nächsten Restaurant eine Pause einzulegen und mit ihm zu Mittag zu essen. Ich war so erschöpft dass es mir schwer fiel die Gabel festzuhalten. Am Ende gab er mir etwas Geld um die Nacht in einer Herberge zu verbringen und meine Sachen zu trocknen. Mit neuer Energie fuhr ich die letzten 25 Kilometer an diesem Tag in knapp einer Stunde.

In Fort William fand ich eine schöne Herberge mit einem Trockenraum, den ich sofort in beschlag nahm. Neben meinem Schlafsack und meinen Schuhen trocknet dort auch mein Zelt schön aufgehängt. Nach einer HEISSEN Dusche kann ich heute Nacht in einem richtigen Bett schlafen und habe sogar genug Geld um Brot zu kaufen.

Morgen geht es mit neuer Energie nach ‚Loch Ness‘.

Dublin, Irland

Ich bin jetzt seit über einer Woche in Dublin. Die ersten zwei Tage habe ich in einer Herberge verbracht und mich um meine Homepage und mein Fahrrad gekümmert. Die nächsten Tage hat mich Sara in ihrer 10er WG aufgenommen. Ich hatte sie auf meiner letzten Reise in Indien kennen gelernt und sie hat mir schon vor einiger Zeit angeboten sie doch zu besuchen wenn ich in der Gegend bin.

Die Tage mit so vielen lustigen Leuten auf einem Haufen entwickelten sich zwangsläufig zu einem großen Spass. Wegen dem mir angebotenen eigenen Zimmer mit Heiß- Wasser- Dusche habe ich es einfach nicht geschafft die Stadt früher zu verlassen. DANKE FÜR ALLES

Zufällig habe ich auf der Strasse einige Nepali (Einwohner von Nepal) getroffen, die mich mehrere Tage hintereinander zum Essen in ihrem Restaurant eingeladen haben. Ich habe lange nicht mehr so gut gegessen.

 

Ich musste diverse Foto- Shootings über mich ergehen lassen. Der Höhepunkt war eine Ansprache bei der ich den erstaunten 120 Gästen meine nächsten Pläne erläuterte.

Bei meiner Ankunft in Dublin war ich in eine Scharr Fahrradkuriere geraten denen ich auch in den folgende Tagen des Öfteren einen Besuch abstattete. Wir hatten einen lustigen Freitagabend in ihrem Stammpub.

Nach so langer Zeit freue ich mich morgen früh wieder aufs Rad zu steigen. Der Weg führt jetzt vornehmlich nordwärts. Über Belfast nach Schottland.

Dublin, Irland

Es ist soweit, ich habe die ersten 1000 Km hinter mich gebracht. Inzwischen sogar recht deutlich. In Newport, Wales erschien plötzlich die Zahl 1000,00.   Nach meiner Abfahrt aus London vor einer Woche habe ich die meisten Nächte im Zelt verbracht. Die Nächte sind kalt. Immer unter 0°C. Auf den Aussenplanen liegt eine dünne Eisschicht und auch die Zeltinnenseite ist von kleinen, gefrorenen Wassertropfen übersäht. Ich habe mich inzwischen daran gewöhnt alles mit Handschuhen zu erledigen. Zeltauf- und Abbau, Kochen, Lesen, und sogar Zähneputzen funktioniert ganz gut. Im Schlafsack ist es selbst bei den eisigen Temperaturen angenehm warm.   Eine willkommene Abwechslung zum Campen habe ich in Bath/ England erfahren. Eine Stadt, die u.A. als Ausgangspunkt für Tagesausflüge zu den berühmten, mystischen Steinen von Stonehenge gilt. Ich habe die Herberge genutzt, nachdem ich tagsüber die Steinkreise besichtigt hatte.   Ein weiteres Highlight, neben der Brückenüberquerung von England nach Wales, war der Besuch in der ‚Provinzhauptstadt‘ Cardiff. Hier ist es gelungen den Bogen zur Moderne zu spannen, ohne dass die Tradition darunter gelitten hat. Nur ein Beispiel dafür ist die Einkaufsstrasse, die ihren Abschluss an den Mauern einer ehrwürdige Burg findet.   Durch schlechtes Kartenmaterial hatte ich in den nachfolgenden Tagen etwas Probleme die Orientierung zu behalten, bis ich es schließlich doch nach Pembroke geschafft habe, dem Terminal für Irlandfähren.   Die Nachtfähre entließ mich nach knapp fünf Stunden fahrt in den frühen Morgenstunden auf irischem Boden. Nach nur ein paar Stunden schlaf machte ich mich daran, die 150 Kilometer bis in die Hauptstadt Dublin zu bewältigen. Bei meiner Mittagspause um 11 Uhr hatte ich bereits 60 Km erradelt und am späten Nachmittag erreichte ich die Vororte von Dublin. Kurze Zeit später stieg ich mit 160 Kilometern in den Beinen vom Rad.   In den folgenden Tagen wird mein Rad die Zuwendung erfahren die es verdient. [express-image id=’728′ size=’full‘ align=’none‘ link=’file’/]

Materialstatus

Nach über 650 Km ist es Zeit sich einen ersten Überblick über das Material zu verschaffen.   Erfreulicherweise lässt sich sagen dass mein Fahrrad gut läuft. Die Rohloff Nabe schaltet einwandfrei und es ist sehr angenehm die Gänge im Stand wechseln zu können. Der extrawheel Anhänger läuft wie erwartet ohne ein Problem zu machen. Ich hatte noch keinen platten Reifen und die Taschen halten natürlich auch beim größten Schlammwetter dicht.   Nun zum unerfreulichen Teil. Die obere Schicht meines Sattels hat sich im vorderen Teil abgelöst und das Gel lag frei. Ich habe es zwar mit Gaffa Band geklebt, trotzdem ist dieser Zustand nach so kurzer Zeit äußerst inakzeptabel. An meinen Winter- Fahrradhandschuhen ist eine Naht geplatzt. jetzt ist das Innenfutter am kleinen Finger ungeschützt. Auch das darf nicht so schnell passieren.

London, Großbritannien

Ich habe die Strecke Lille- Calais an einem Tag zurück gelegt. Die 120 Kilometer waren eine wahre Freude weil an diesem Tag einfach alles gestimmt hat. Die Sonne schien, Wind war kaum zu spüren und die Strasse war flach und schön zu fahren.

Meine Fähre hatte ich auf den nächsten Tag gebucht. Die Nacht verbrachte ich also in bester Pennermanier vor der Wartenhallentür auf dem Boden.

Auf dem Weg nach London habe ich in „Canterbury“ Station gemacht. Die Stadt und besonders die Jugendherberge kann ich nur empfehlen. Wenn ihr in der Gegend seit müsst ihr euch die beeindruckende Kathedrale ansehen.

Meine 120 Km Anfahrt nach London war dagegen eher unentspannt. Bei einer komplizierten Streckenführung die immer wieder auf dem Seitenstreifen einer vierspurigen, autobahnähnlichen Strasse endete und diversen Kleinigkeiten war ich schon sehr froh als ich um 16 Uhr auf der „Tower Bridge“ stand.

An einem Samstagabend ein freies Bett in London zu finden stellte sich als äußerst schwierig heraus. Um 22.30 Uhr war auch das geschafft, nachdem ich mich bereits auf eine weitere Nacht auf der Strasse eingestellt hatte.

Die Nacht war ganz O.K., auch wenn ich mich eher wieder wie in Asien gefühlt habe als in der größten Metropole Europas. Die Internationale Jugendherberge im Hollandpark/ London besteht zum größten Teil aus Schlafsälen. Wie es in einem 20 Mann Saal voller Rucksackreisender aussieht und riecht könnt ihr euch ja einmal versuchen vorzustellen.

Ein reichhaltiges Frühstück hat aber entschädigt. Den heutigen Tag habe ich mit Sightseeing verbracht.

Am Dienstag, 12.02. geht es weiter. Nächste Station: Stonehenge

Lille, Frankreich

Wenn ich irgendwann einmal ein Buch schreiben werde, wird es wohl so anfangen:

Es ist acht Uhr morgens, die Sonne steigt feuerrot über die ersten Bergwipfel empor, das Fahrrad ist bepackt und ich Rolle schon seit einer Stunde über eine breite Strasse Richtung Osten. Das ist wohl das normale Bild das man mit einer solchen Tour verbindet…

… es hat die ganze Nacht geregnet. Der heftige Sturm hat mich um sechs Uhr aus dem Schlaf gerissen. Der Himmel war, soweit es zu erkennen war, verhangen und grau. Bis alle Taschen verstaut waren, waren meine Sachen bereits durchnässt.

Der Gegenwind peitschte mir den Regen ins Gesicht. Selbst auf den bergab Passagen musste ich kräftig in die Pedalen treten um nicht stehen zu bleiben. Der immer wieder plötzlich auftretenden Seitenwind drückte mich ein ums andere Mal in den unbefestigten Seitenstreifen. Der Berg, den ich seit, so fühlte ich jedenfalls, einer Stunde zu bezwingen versuchte, schien noch ein Stück höher und etwas steiler als der, den ich gerade hinter mir gelassen hatte. Die Kilometerangaben hatten sich auf dem letzen Stück lediglich hinter dem Komma geändert. Die icht auf windfreie Waldstücke wurde von der Gischt vorbeisausender LKW vertrieben.

An diesem Tag fuhr ich 70 Kilometer von Blaken in Belgien bis nach Lille auf französischem Boden.

Am Abend, es wurde schon langsam dunkel, kam das Glück dann doch noch. Am Bahnhof traf ich zufällig einen Franzosen der gerade aus Paris angereist war. Nachdem wir erfahren hatten dass die Jugendherberge geschlossen ist, hat er mich kurzerhand in seine WG eingeladen. Jetzt sitzen wir am Wohnzimmertisch und warten aufs Abendessen.

Bis nach Calais sind es noch 120 Kilometer. Morgen werde ich das wohl nicht schaffen. Die nächsten Nachrichten gibt es dann von der Insel.

Der erste Eintrag

Es ist soweit. Der erste Eintrag ziert meinen Blog. Ich habe heute mit den netten Leuten bei Radfieber geredet. Mein Fahrrad ist fertig und bereits auf dem Weg von Leipzig nach Köln. Am Dienstag werde ich es wohl in Empfang nehmen können.

Ich werde es also doch schaffen vor Karneval aus Köln zu verschwinden.

Ich habe heute die letzen Vorbereitungen getroffen, habe Geld getauscht (engl. Pfund) und die letzten Kleinigkeiten gekauft.

Jetzt kann es wirklich los gehen.