A man steal your dog – Tunesien 2015

Es geht weiter mit dem Blick in alte Tagebücher.

2015 hatten wir eine tolle Zeit in Tunesien. Der Schreck kam am letzten Abend. 


Ich stehe vor der Internationalen Jugendherberge in Tunis. Die Altstadt besteht aus einem Gewirr aus Gängen, Tunneln und Gassen und ich habe mich heute schon mehrmals verlaufen. Morgen werde ich die Fähre zurück nach Italien nehmen und auch wenn meine Luftmatratze sehr bequem ist gönne ich mir für die letzte Nacht in Tunesien ein Bett und eine Dusche.

Einige Jugendliche sitzen auf ihren Skateboards vor dem Nachbarhaus und lachen über Fotos auf einem Handy das ein Mädchen in die Runde hält.

Den Hund habe ich vor der Tür angebunden. Er darf nicht in die Herberge und wird die Nacht alleine im Auto verbringen das ich um die Ecke geparkt habe.

Ich trete durch die schwere Holztür mit dem altertümlichen Türklopfer und sehe die meisten Gäste im großen Aufenthaltsraum. Es ist eine angeregte Unterhaltung über die furchtbaren gestrigen Ereignisse in Paris.

Durch das angelehnte Fenster höre ich ein leises Jaulen aber Vesuvio muss lernen dass ich nicht rund um die Uhr bei ihm sein kann. Ich biege nach rechts ab, gehe in die Küche und lasse mich mit einer Tasse Tee in der Hand in die Kissen eines großen Sessels fallen. Irgendwas ist anders. Stimmt, vor dem Fenster herrscht Ruhe. Das hat wohl funktioniert, sehr angenehm.

 

Durch die Tür stürmt das Mädchen das ich vor ein paar Minuten mit den anderen Jugendlichen auf der Straße gesehen habe.

Aufgeregt ruft sie etwas auf arabisch und der Ägypter neben mir springt auf.

„A man steal your dog“ schreit er und rennt los zur Eingangstür. Aus Reflex renne ich hinterher bevor ich realisiere was passiert ist. Direkt hinter mir kommt ein Argentinier, zwei Franzosen und sogar der tunesische Nachtwächter.
Auf der Straße steht ein Junge und zeigt zur nächsten Ecke.

Die Hundeleine baumelt am Wasserrohr. Drei Jungs mit Skateboards stehen schreiend an einer schmalen Straße als wir ankommen. Der Nachtwächter zieht mich am Arm, „keine Touristen,“ sagt er auf englisch. „Das regeln wir selbst.“

Er gibt ein arabisches Kommando und verschwindet mit den Jungs in der Gasse. Es vergeht eine sehr lange Minute bis er mit einem breiten Lächeln wieder zum Vorschein kommt. Im Arm hält er den kleinen Hund der sichtlich verstört ist. Einer der Jungs hält Vesuvios blaues Halsband in der Hand und präsentiert es stolz wie eine Trophäe.

„Kleine Hunde bringt viel Geld auf dem Markt,“ sagt der Nachtwächter und legt mir den zitternden Hund in den Arm. „In der Stadt musst du vorsichtig sein.“

Die Jungs überreichen mir das Halsband und weisen alle Versuche zurück sie auf eine Cola am Kiosk einzuladen. Stattdessen entschuldigen sie sich im Namen aller Tunesier und beteuern dass das Land doch eigentlich sehr sicher sei.

 

Ich hätte gerne gewusst was in dieser Gasse passiert ist, wer der Dieb war und warum ich nicht mitgehen durfte aber ich habe es nie erfahren.


Am nächsten Morgen bin ich mit der Fähre zurück nach Frankreich gefahren und Ves ist ohne Probleme zurück in die EU gereist, ohne Kontrolle, ohne Ausweis und ohne Impfung.

Vesuvio ist da – Rückblick Herbst 2015

Habe ich jemals erzählt wie Vesuvio zu mir gekommen ist?

Beim jährlichen aufräumen aller meiner Festplatten bin ich auf mein Reisetagebuch von 2015 gestoßen.

Damals war ich mit dem Camping Corsa auf dem Weg durch Italien.

Diesen Eintrag möchte ich euch nicht vorenthalten.

 

Rückblick:

 

Herbst 2015 – mit dem Camping Corsa unterwegs in Italien

 

In Neapel wird endlich so gefahren wie ich es von Italienern erwartet hatte. Jeder fährt wann er will, wo er will und parkt wie er will. Daran dass an den Stoppschildern und Zebrastreifen niemand anhält habe ich mich ja inzwischen gewöhnt aber hier scheinen auch die Ampeln für nichts besseres gut zu sein als buntes Licht zu machen.

Alle paar Minuten gibt es irgendwo einen Unfall was aber Niemanden aus der Ruhe zu bringen scheint. Ein Auffahrunfall ist kein Grund auszusteigen.

Endlich gehört mein Corsa mal zu den moderneren Fahrzeugen, zu den funktionstüchtigsten ohnehin, immerhin funktionieren bei mir alle Lampen was man von den meisten Verkehrsteilnehmern nicht behaupten kann. Blinker scheinen in italienische Autos gar nicht erst eingebaut worden zu sein, dafür sind aber viele Hupen in Dauerbenutzung.

Wahrscheinlich macht es Sinn dass hier die Straßenmarkierung fehlt. Die zweispurige Hauptstraße variiert ohnehin zwischen drei und vier Spuren.

Ich dachte der Verkehr in Bangkok ist chaotisch aber Neapel toppt es bei Weitem. Zwischen all den Chaoten bewegen sich tausende Mofas und Scooter über die schlechtesten Straßen die ich seit langem gesehen habe.

 

Zwei Nonnen in einem kleinen Fiat quetschen sich durch eine enge Lücke an meiner linken Seite vorbei. Durch das Fenster sehe ich die berühmte italienische Handbewegung und auch wenn Lippenlesen nicht zu meinen Stärken gehört kann sogar ich das „Madonna mio“ sehr deutlich erkennen.

 

Ich fahre raus aus der Stadt und verbringe die Nacht auf dem Besucherparkplatz von einem der noch aktiven Vulkane Europas, dem Vesuv.

Kurz nach Sonnenaufgang packe ich mein Bett zusammen. Der Parkplatz ist leer. In einer Ecke liegen ein paar zottelige Straßenhunde. Ich kümmere mich nicht weiter drum und steige über einen Zaun hinter dem Kassenhäuschen. Es ist noch kühl und ich ziehe meine Kapuze tiefer ins Gesicht. Es ist ein langer Aufstieg bis zum Kraterrand. Hinter mir höre ich leises Getapse und drehe mich um. Es ist ein kleiner Hund der mir wohl vom Parkplatz gefolgt sein muss. Er ist nur einen Meter entfernt und sieht mich an.

Es sind noch 500 Meter bis zum ersten Aussichtspunkt und der Hund tapst hinter mir her auf die hölzerne Plattform. Ich zucke zusammen, etwas hat mein Hosenbein gestreift. Die Kapuze schränkt mein Sichtfeld ein und ich muss mich bücken um meine Schuhe sehen zu können. Der kleine Hund sitzt direkt neben mir und schnuppert an meiner Jeans. Das ist mir jetzt doch etwas zu nah. Ich schiebe ihn mit dem Fuß zur Seite und mache mich auf den Weg zum nächsten Aussichtspunkt.

Er will einfach nicht weggehen. Er sieht aus wie ein kleiner Schäferhund, es wird irgendeine Straßenkötermischung sein. Das Fell ist stumpf und dreckig.

„Wir könnten wohl beide ne Dusche vertragen, was?“

 

Als ich auf dem Rückweg wieder an dem kleinen Haus vorbei komme werde ich von der Frau hinter der Kasse böse angesehen. Es ist offensichtlich dass ich keinen Eintritt bezahlt habe. Das Tor ist inzwischen offen und ich trete zurück auf den Parkplatz. Der Hund bleibt auf der anderen Seite des Zauns stehen.

Mein Corsa ist immer noch das einzige Auto auf dem Platz. Ich öffne die Fahrertür, da ist er wieder. Schnell laufen kann er wohl mit den kurzen Beinchen.

„Kommst du mit“ frage ich mit einem Lächeln. Der Hund kippt seinen Kopf zur Seite als ob er mich verstanden hätte und springt an mir vorbei auf den Beifahrersitz.

Irgendwie war das nicht so geplant. Soll ich jetzt wirklich losfahren und ihn einfach mitnehmen? Sicherlich gehört er jemandem. Ich schaue mich um. Die Straßenhunde liegen am Rand und wärmen sich an den ersten Sonnenstrahlen, die Kassenfrau guckt immernoch grimmig und ansonsten ist Niemand zu sehen.

Der kleine Kerl hat sich inzwischen eingerollt und die Augen geschlossen. Na gut, mal sehen wie er das Autofahren verträgt.

das erste Foto von Ves in Italien 2015

Ich halte an einer Tankstelle. Auf dem Weg habe ich bei einem Supermarkt Hundeshampoo gekauft, ein kleines Halsband und eine Leine. Dazu ein paar Gummihandschuhe und ein Handtuch.

An der Ecke ist ein Wasserschlauch, auch Reisehunde müssen sauber sein, jetzt wird erst mal geduscht.

Es ist einfacher als ich dachte. Nach fünf Minuten sind wir beide etwa gleich nass und der Hund wahrscheinlich sauberer als ich.

Jetzt werde ich mich mal auf die Suche nach einem Tierarzt machen. Ich will schließlich keine Flöhe im Auto haben. Wenn ich den Hund nicht behalte habe ich immerhin eine gute Tat getan.

 

 

Der Tierarzt ist zufrieden mit dem Zustand. Keine Flöhe, keine Krankheiten und nach den Zähnen zu urteilen etwa ein Jahr alt, 6,4kg schwer und mit 38cm Schulterhöhe voll ausgewachsen.

Jetzt braucht er einen Namen, „Vesuvio“, nach dem Vulkan.

Die nächsten Maßnahmen sind einige notwendige Impfungen, als erstes Tollwut. Der Hund braucht einen Chip und muss Kastriert werden aber das werde ich alles in Angriff nehmen wenn ich sicher bin dass ich ihn behalte. Vielleicht im Dezember wenn ich zurück in Deutschland bin.

 

 

Ich bin in einem großen Einkaufcenter um Vorräte zu besorgen. Vor Allem Propangas, Kekse und natürlich Hundefutter. An sowas muss ich mich wohl erstmal gewöhnen.

Mein Handy piept. WIFI Hotspot. Das kommt gerade im richtigen Moment. Mein erster Suchbegriff „Tunesien Einreise mit Hund“.

Die Antworten haben neben vielen Tipps eines gemeinsam. „Eine gültige Tollwutimpfung wird vorausgesetzt.“
Na super, das ist ein Problem. Ich wollte es ja nicht anders und dachte ich würde es mal wieder besser wissen. Was mache ich denn jetzt? Die Fähre legt morgen früh ab, das sind nicht mal mehr 12Std.

Entweder ich setze den Hund am Hafen aus und hoffe dass er noch da ist wenn ich nächste Woche zurück komme oder ich werde den Hund durch den Zoll schmuggeln müssen. Nach Afrika könnte es schwierig werden aber wenn es hart auf hart kommt habe ich ja immer noch ein paar Euro in der Tasche.
Das Versteck muss einfach so gut sein dass der Hund erst gar nicht gefunden wird.

Im Handschuhfach, dafür ist selbst Vesuvio zu groß. Im Motorraum, ich will die Schmuggelei ja nicht übertreiben. Im Kasten für das Reserverad, auch das wäre wohl übertrieben aber ich werde mir schon was einfallen lassen.

 

 

Der Moment der Wahrheit ist gekommen und der Test ob ich als Schmuggler etwas tauge.

Die Autos setzten sich in Bewegung und auch ich rolle von der Fähre und in Richtung der tunesischen Zollbeamten. Äußerlich ist nicht zu erkennen dass sich hinter dem Beifahrersitz ein blinder Passagier versteckt. Ich habe eine kleine Höhle gebastelt und, so leid es mir auch tut, den Hund an die Sitzschiene angekettet.

Mein Bettzeug liegt gut sichtbar im Kofferraum und das Auto ist aufgeräumt. Es gibt eigentlich keinen Grund mich anzuhalten und den Corsa näher zu untersuchen.
Vor mir stehen noch zwei Autos mit hochbeladenen Dachgepäckträgern. Ein weiterer Wagen steht mit geöffneten Türen an der Seite während zwei Beamte darin herumkrabbeln. Das wäre Fatal für uns.

Der Wagen vor mir fährt durch die Kontrolle, jetzt bin ich dran.

Mein Herz schlägt schnell aber ich versuche mir meine Nervosität nicht anmerken zu lassen. Ich steige aus, hinter dem Sitz höre ich ein leises Winseln.

„Passport“, mit leicht zitternden Fingern reiche ich meinen Reisepass durch das Fenster und um die Sache etwas zu beschleunigen schiebe ich die Fahrzeugpapiere und einige ausgefüllte Zettel hinterher.

Der Beamte begutachtet alles und schiebt die Hälfte wieder durch den kleinen Schlitz zurück.

„Urlaub?“ „Ja, sieben Tage.“

Ein schneller Blick ins Auto, dann saust der Einreisestempel auf eine freie Seite.

Für die PKW Einfuhr zahle ich 30 Dinar, umgerechnet 12 Euro und noch einmal 5 Euro weil der Schalterbeamte so schnell gearbeitet hat. Unter anderen Umständen würde ich gegen diese Gebühr protestieren aber bevor doch noch jemand auf die Idee kommt ins Auto zu schauen schiebe ich auch diesen Schein durch den Schlitz, dann ist es geschafft. Ich werde durch das große Tor gewunken und langsam entspannen sich meine Muskeln. Willkommen in Afrika.

– – – 

Inzwischen bin ich mit Ves durch über fünfzig Länder gefahren.

Er ist der beste Reisepartner den ich mir vorstellen kann. 

Ich habe noch ein paar Einträge von vergangenen Reisen. 

Frohe Weihnachten und freut euch auf den Nächsten. 

Das Jahr 2020

Jetzt ist 2020 schon fast vorbei und ich bin noch nicht sehr weit gekommen auf meinem Weg nach Südafrika. Genau genommen bin ich im Moment weiter weg als letztes Jahr.

Ich muss das leider auf den Virus schieben. Theater zu, Konzerte abgesagt und der Sommer war festivaltechnisch eher mau um nicht zu sagen, finanziell war das Jahr eine Katastrophe.

Anfang des Jahres habe ich angefangen ein komplettes Haus zu sanieren. Ich hatte es ohnehin vor und als sich mein Terminplan im März schlagartig geleert hat habe ich die erste Wand aufgestemmt.
Nach sechs Monaten hat dann nichts mehr an den alten Zustand erinnert.

Wir haben neue Wände gestellt und andere weg gerissen. Neue Rohre und Leitungen verlegt. Neue Türen und Böden, teilweise neue Fenster und zusammen mit der Zimmerei Brönnecke ein komplett neues Dach.

Meinen reisefertigen Minicamper habe ich für die Bauzeit wieder zum Transporter zurück gebaut.
Mein Bett, Solarzellen und Markise sind eingelagert und kommen wohl erstmal nicht zum Vorschein.

Seit der Fertigstellung mache ich ein paar Aushilfsjobs und andere kurzzeitige Sachen. Eigentlich nichts Sinnvolles, eher ein wenig Zeitvertreib bis die Grenzen wieder öffnen.

Ich rechne keinesfalls damit, dass sich in der ersten Jahreshälfte 2021 viel ändert und so sitze ich seit ein paar Tagen wieder im LKW und fahre täglich quer durch die Republik.

Was ich transportiere ist mir eigentlich egal, hauptsche ich bin unterwegs und Vessi ist dabei. Er liegt während der Fahrt in seinem Körbchen auf dem Beifahrersitz und schläft.

Bis Weihnachten fahre ich eure Weihnachtsgeschenke zwischen den großen DHL Niederlassungen hin und her.

Über den Winter haben wir also jetzt ein warmes Plätzchen und ich habe genug Zeit um meine Papiere zu ordnen.

Ich kann es kaum erwarten mein Campingequipment wieder einzuräumen. Vielleicht klappt es ja 2021.

Corona-News

Nachdem die ersten Grenzen in Europa wieder öffnen, bleiben die meisten Grenzen auf dem afrikanischen Kontinent geschlossen. Dieses Jahr wird Coronabedingt wohl nicht viel passieren. Wir werden sehen was die Zukunft bringt.

cycling 2019 – Abbruch

Ich glaube die Fotos sprechen für sich selbst. Ich sitze in einem Zug und diesmal ist es nicht ganz freiwillig. Nachdem ich jetzt einige Tage durch die Hitze geradelt bin habe ich beschlossen dass eine Fahrradtour durch Afrika nichts für einen Hund in einer Kiste ist.
Es war teilweise über 40*Grad heiß und ich habe teilweise etwas Angst um meinen kleinen Beifahrer gehabt.

Ich habe mir einige Afrika Blogs von Leuten angeguckt die zurzeit unterwegs sind und es sieht nach viel Abenteuer aus. Der Süden von Marokko, die Sahara und Mauretanien mit 2000km Sand und ohne Schatten ist aber zu viel.
Alleine würde ich es fahren aber mit Ves ist mir die Tour zu gefährlich.
Es ist wohl an der Zeit einmal wie ein Erwachsener Verantwortung zu übernehmen und darum beende ich an dieser Stelle die Tour.

Wir sind schon auf dem Weg zurück nach Deutschland und vor dem Neustart werde ich mich noch einmal vernünftig informieren was ich hier mache.

Vielleicht steht mein Roadtrip 2018 Combo (link) ja noch am Schrottplatz.
Südafrika bleibt auf jeden Fall das Ziel und sicher nicht mit dem Flugzeug.

Bologna, Italien

Inzwischen sind wir schon einen Monat unterwegs und haben es bis kurz vor Bologna geschafft.

In Salzburg habe ich ja fast ein Kilo Gewicht nach Hause geschickt, eine gute Entscheidung.
Am besten gefällt mir dass die große Kamera gehen musste. Ich werde jetzt leider doch kein Filmstar wie Max Semsch (externer Link), Anselm Pahnke (externer Link) oder manpower express (externer Link) aber ich genieße es so viel mehr einfach schnelle Fotos machen zu können und nicht immer nach einem guten Filmspot Ausschau halten zu müssen.
Ich konzentriere mich jetzt wieder aufs Schreiben. Das kann ich ohnehin besser.

Der Alpenanstieg war gar nicht so schlimm wie erwartet, natürlich immernoch schlimm genug.
Durch ein Gewirr von verschiedenen Fahrradwegen bin ich schließlich auf dem „Alpe-Adria Trail“ gelandet.
Wahrscheinlich ist es meiner schlechten Vorbereitung zu verdanken dass es irgendwie der einfache Weg war denn plötzlich stand ich vor einem Zug.
Meine Faulheit verhinderte dann auch erfolgreich einen Umweg zu suchen wobei ich auf jeden Fall erst in einem anderen Tal fündig geworden wäre.
Alle anderen Radlfahrer wussten Bescheid dass das Gasteinertal und die Tauernschleuse eine Sackgasse sind.

Bis Udine hatte anschließend ein paar Tage Begleitungen von einem Tschechen der unterwegs nach Kroatien ist.

Nach der italienischen Grenze ging es für einen ganzen Tag auf einer stillgelegten Bahnstrecke durch die Landschaft.
Ich glaube es war einer der schönsten Radwege auf denen ich jemals unterwegs war (externer Link).

Viele beeindruckende Brücken und bis zu einem Kilometer lange Tunnel.
Es ist ein lustiges Gefühl mit dem Rad in einen alten Bahnhof einzufahren.

Seit Udine fahre ich auch nichtmehr an irgendwelchen Flüssen lang was sich vor Allem an der abendlichen Körperhygiene zeigt.
In Deutschland und Österreich war ich jeden Tag schwimmen. Jetzt, wo die Tage heißer werden würde ich mir einen schnellen Sprung ins Wasser sehr wünschen.
Ich bin nicht sicher was schlimmer riecht, meine Radlersachen oder der vollgeschwitzte Schlafsack.
Auf jeden Fall stinke ich sehr viel schlimmer als der Hund der fröhlich in jedem Tümpel und Springbrunnen Baden geht.

Ves schlägt sich super. Ich versuche mein Möglichstes ihm jede erdenkliche Abkühlung zu verschaffen.
Auf dem Rad sitzt er unter dem Dach in seiner Kiste und wir essen zusammen Wassermelone und Eis.
Nachts liegt er meistens neben seiner kühlenden Gelmatte auf dem Zeltboden.
Er mag es sehr den Kopf aus dem Halbgeöffneten Reißverschluss zu strecken um alles zu beobachten. Leider warten die Mücken auf so eine Gelegenheit und so jagen wir im Taschenlampenlicht Abend für Abend Alles was im Zelt rumfliegt.

Unser Weg führt weiter durch die Toskana und immer der Stadt hingegen wo eh alle Wege hinführen.

Es fährt ein Zug nach irgendwo …
Fahrrad Abteilung im Tauernexpress

„Buschcamping“

Alpe-Adria Radweg
ITALIA

Aus aktuellem Anlass habe ich auf das Kaffeekochen in Venedig verzichtet

Salzburg – Österreich

Nach einem paar Tagen im Taubertal und an der Wörnitz bin ich seit Donauwörth der Donau gefolgt.
Habe ich vorher höchstens ein oder zwei Radler täglich gesehen, waren es auf dem Donauradweg einige Dutzend jeden Tag.
Viel Fahrradtouristmus bedeutet zwar eine gute Infrastruktur aber da wo viele Hotels und Campingplätze liegen wird wildes Zelten gar nicht gerne gesehen.
Trotzdem war es natürlich kein Problem jeden Abend einen netten Platz am Wasser zu finden.
Ich habe in den letzten 2 1/2 Wochen jede Nacht an einem Fluss geschlafen (und hab mich einige Male von den Mücken zerstechen lassen).
Ich habe in der gesamten Zeit meine 60km/Tag Marke nur leicht steigern können.
Vielmehr habe ich mich an diese Distanz gewöhnt und habe dabei ein gutes Gefühl weil der Hund nicht den ganzen Tag in der Kiste mitfahren muss. Es bleibt immer genug Zeit für kleine Pausen und fröhliches Rumtollen.
Ich weiß aber, wenn es sein muss knacken wir auch die 100km.

Habe ich im ersten Blog (link) noch behauptet der billig Schlafsack sei ausreichend? Spätestens nachdem ich in einer 15 Grad Nacht gefroren habe steht die Entscheidung fest dass dieses Ding ausgetauscht wird.
In der Isomatten-Statistik liegt der Hund ganz knapp auf Platz eins. Danach folge ich schon mit einem guten zweiten Platz.
Wenn man aber bedenkt dass die Isomatte eigentlich mein Bett ist, läuft hier irgendwas falsch.

Der ADFC (Allgemeiner Deutsche Fahrrad-Club) bietet eine App zu den ausgeschilderten Fahrradwegen in Deutschland an. Kostenpunkt 2,29€.
Natürlich habe ich als Sparfuchs darauf verzichtet, man sollte ja annehmen dass die Beschilderung halbwegs verständlich ist … aber denkste. Das wäre mal eine intelligente Investition gewesen.
An vielen Kreuzungen sah man suchende Fahrradgruppen und wild in Heften und Karten nachschlagende Familienväter.
Die unübersichtliche Beschilderung, teilweise überwuchert oder durch Baustellen verdeckt hat die Fahrt nicht nur verlangsamt sondern auch in gewissem Maße frustriert.
Wer kommt eigentlich auf die Idee einen Fahrradweg weeeiiiit weg von der Straße zu bauen?
Natur und Idylle ist ja alles schön aber kurz vor Regensburg war der Weg über die Landstraße mit 7 km angegeben, auf dem Donauradweg hatte ich noch 19 km!! zu strampeln.
Ich habe mich sehrwohl für die Straße entschieden.

Ein neues Problem ist aufgetaucht was ich bis dahin noch nicht kannte und zu dem ich auch noch keine Lösung gefunden habe.
Über meine Vorderradnabe kann ich 5V 1A USB Strom abgreifen. 100km Tagesetappen reichen um meine Akkus für Handy und Kamera aufzuladen.
Wenn ich,wie im Moment, nur 60km am Tag fahre und davon einiges unter 15km/h, wird mir früher oder später der Strom ausgehen.

Von Passau bin ich dem Inn und später der Salzach entlang der deutsch- österreichischen Grenze gefolgt.
In Salzburg mache ich jetzt (mal wieder) ein Tag Pause und bereite mich auf meine ersten Alpenüberquerung vor.
Nachdem ich gestern überhaupt gar nichts gemacht habe tut mir heute alles weh und wenn ich den kleinen Hund ausgestreckt auf dem Doppelbett betrachte kommen ein paar freie Tage gerade recht.

Ich halte nichts von Höhentabellen und Geländediagrammen. Dass es bergauf geht kann ich mir schon denken und wenn ich oben bin werde ich es wohl merken.
Wenn ich die Abfahrt dann auch noch überleben sollte gibt es den nächsten Blog dann aus Italien.

 

Leider hat mit die Internetverbindung etwas im Stich gelassen und so muss ich die Fotos später nachreichen.

 

Wenn die Sonne zu stark scheint fährt der Hund mit Dach

Ich bin unterwegs – cycling 2019

Es ist soweit, ich bin unterwegs.

Eigentlich wollte ich ja mit einem Jahr Vorbereitung erst im Herbst 2020 aufbrechen aber nachdem ich mir eine neue Weltkarte gekauft hatte und es bei der Arbeit gerade ohnehin nicht ganz so aufregend war habe ich im Mai spontan gekündigt und alle Termine für den Sommer abgesagt. Vorsorglich auch direkt schon mal für Herbst und Winter.

Nach dem Roadtrip durch Russland, die Stan´s und den Iran war es jetzt mal wieder Zeit für ein wenig Sport.

Inzwischen ist meine Reisevorbereitung schon ein wenig Routine. Die Campingsachen von meiner Australientour hatte ich gut weggepackt und auch das Fahrrad stand, etwas verstaubt, noch in der Garage.

Viel Vorbereitung brauchte ich also nicht. Ich habe das Fahrrad einmal geputzt (um ehrlich zu sein bin ich einmal mit dem Wasserschlauch drüber gegangen um die Spinnweben abzuwaschen) ich habe meine „alten“ Taschen gepackt und jetzt, nur ein paar Wochen nach der Entscheidung, sitze ich schon auf dem Rad.

Ich weiß noch nicht genau wo ich eigentlich hin will aber das wird sich unterwegs schon ergeben.

Ich hatte noch einen sehr günstigen Schlafsack und meine schicke Isomatte. Ein neues Zelt habe ich mir aber dann doch geleistet. Immerhin reise ich diesmal zu zweit und da reicht mein kleines Zelt nicht aus.

Aprospos, natürlich ist Ves mit an Bord. Es ist viel zu heiß um ihn lange neben dem Rad herlaufen zu lassen und so sitzt er in seiner Kiste und genießt den Fahrtwind. Ich kann auch direkt alle Tierschützer beruhigen, wir waren die ersten Tage am Rhein unterwegs und haben sehr viele Abkühlpausen eingelegt. Ves geht es hervorragend, er hat ja inzwischen auch etwas Erfahrung wie es ist „auf der Straße“ zu sein.


Ich weiß gar nicht wie ich in Australien sechs Monate auf dieser Isomatte geschlafen habe. Ich glaube ich habe seit langem nicht mehr so unbequem gelegen wie in den ersten Nächten.
Der Schlafsack, ich glaube er kommt von einem großen Discountermarkt, ist auf jeden Fall sein Geld wert, leider auch nicht mehr. Der Komfortbereich liegt bei 10´Celsius, gut dass es im Moment auch nachts eher tropische Temperaturen hat. Bei der Ausstattung besteht also noch etwas Spielraum nach oben.

Das Zelt hingegen ist klasse. Einfach und schnell aufzubauen. Es ist selbststehend und Ves und ich haben genug Platz.

Ich merke auf jeden Fall dass ich einige Jahre nicht mehr auf einem Fahrrad saß. Ich bin inzwischen ja schon einige Male am Rhein geradelt und irgendwie ging es sonst immer ein wenig schneller.
Für die ersten 120km bis nach Koblenz habe ich zwei Tage gebraucht und auch sonst komme ich im Moment nicht über eine Durschnittsgeschwindigkeit von 10 km/h hinaus. Ich schiebe es einfach mal auf die erste Stunde am Morgen in der der Hund das Tempo bestimmt und ich neben ihm her gehe.

Ich habe ja kein wirkliches Ziel und erst recht keine Eile. Ein wenig gucke ich schon auf die vielen Tourenradler die mit Höchstgeschwindigkeit an mir vorbei fliegen, ebenso vollbepackt wie ich.

Weniger bepackt, dafür aber noch schneller und dabei auch noch entspannt sind die E-bike Radler, vielleicht sollte ich doch noch schnell das Rad wechseln.

In Mainz habe ich die erste Abzweigung genommen und folge seitdem dem Mainradweg der mir im Moment sogar noch besser gefällt. Es ist viel weniger los und es ist viel einfacher kostenlose Zeltplätze zu finden. Gerade hinter dem geschäftigen Frankfurt ist es wunderschön, das hätte ich gar nicht gedacht.

Ich zelte ohnehin immer irgendwo in Flussnähe. Bis jetzt gab es noch keine Probleme. In Koblenz war ich so müde dass ich direkt neben dem Fahrradweg kampiert habe.

Viel passiert im Moment nicht, es ist halt eine ruhige Fahrradtour durch Deutschland. Ich bin sehr damit beschäftigt meine Taschen zu sortieren und zu schwitzen, da lasse ich die meisten Sehenswürdigkeiten aus.

Nach einer Woche auf dem Rad gönne ich mir heute den ersten freien Tag bevor es dann morgen ins Taubertal geht. Mein erstes Ziel steht schon mal fest, die Donau, Passau und dann der Eurovelo Radweg Nr. 7 nach Salzburg.

Das Fahrrad steht trocken in der Garage
zwei Tage vor der Abfahrt ist das Fahrrad voll bepackt
Ves vor seinem neuen zuhause
es kann losgehen
Das traditionelle Abschiedsfoto vor dem Dom in Köln
Ankunft in Koblenz
Ves genießt den Schatten

zurück in Köln

Der Weg über die Balkanroute geht so schnell wie erwartet. Nach sechs Monaten und 35.000 km durch fünfzehn Länder bin ich wieder  in Köln.

Inzwischen habe ich schon wieder die ersten Termine und werde nächste Woche mit dem „Beat it“ Musical auf Tour gehen. 
Es war eine schöne Reise mit tollen Erlebnissen und natürlich habe ich schon jetzt die ersten Ideen für die nächste Tour.

 

Türkei

Inzwischen war ich schon öfters in der Türkei. Mit dem Auto, Bus und sogar 2011 mit dem Fahrrad. 

Leider bekommt die Türkei von mir nicht die Aufmerksamkeit die das Land eigentlich verdient. Sie liegt bei meinen Reisen einfach immer zur falschen Zeit am falschen Ort. Entweder als Transitland z.B. nach Georgien oder als Ziel einer Reise von wo aus ich dann den Heimweg antrete.

Diesmal war es sowohl der Weg nach Hause als auch das Wetter das mich nicht lange halten konnte.

Gleichzeitig ist die Türkei auch wieder das erste Land nach einer ganzen Weile das halbwegs vernünftig, mit Regeln funktioniert.

Meinen Einstand habe ich direkt mit einem Knall gefeiert, in Form eines Auffahrunfalls.
Ich konnte aber wirklich nicht damit rechnen dass mein Vordermann mitten in der Stadt an einer mäßig befahrenen Kreuzung bremsen würde obwohl auf dem Standstreifen genug Platz gewesen wäre sich an den wartenden LKW vorbei zu quetschen um dann über drei Spuren locker in den linksabbieger Verkehr einzufedeln.
So habe ich das in den letzten Monaten immer gemacht und es gab nie Probleme.

Ich habe ausserdem gemerkt dass meine chinesischen Reifen in Verbindung mit meinen iranischen Stoßdämpfern nicht die beste Bodenhaftung entwickeln.

War es vor einigen Tagen noch hohe Plusgrade und Meer- Badetemperatur so war ich in Kapadokien glücklich meinen guten Winterschlafsack eingepackt zu haben.
Leider sind die Heißluftballon nicht geflogen weil es zu windig war.

Mein Türkei Highlight war diesmal die heißen Quellen von Pamukkale. Eine gute Gelegenheit mal wieder die Füße zu waschen, eine warme Dusche ist im Moment nicht einfach zu finden.

Ich bin jetzt schon unterwegs nach Griechenland und das bedeutet dass ich zurück in Europa bin. Nur noch ein paar tausend Kilometer bis nach Deutschland.

Straßenhunde auf einem Parkplatz in Izmir
Es ist kalt in der Türkei
Hier wird Service noch groß geschrieben
Bitte GENAU an die Geschwindigkeit halten!!!

Ves bei/in den heißen Quellen von Pamukkale (Quelle: instagram @Markus_Schorn)
Ves hat Spaß im Schnee