cycling 2019 – Abbruch

Ich glaube die Fotos sprechen für sich selbst. Ich sitze in einem Zug und diesmal ist es nicht ganz freiwillig. Nachdem ich jetzt einige Tage durch die Hitze geradelt bin habe ich beschlossen dass eine Fahrradtour durch Afrika nichts für einen Hund in einer Kiste ist.
Es war teilweise über 40*Grad heiß und ich habe teilweise etwas Angst um meinen kleinen Beifahrer gehabt.

Ich habe mir einige Afrika Blogs von Leuten angeguckt die zurzeit unterwegs sind und es sieht nach viel Abenteuer aus. Der Süden von Marokko, die Sahara und Mauretanien mit 2000km Sand und ohne Schatten ist aber zu viel.
Alleine würde ich es fahren aber mit Ves ist mir die Tour zu gefährlich.
Es ist wohl an der Zeit einmal wie ein Erwachsener Verantwortung zu übernehmen und darum beende ich an dieser Stelle die Tour.

Wir sind schon auf dem Weg zurück nach Deutschland und vor dem Neustart werde ich mich noch einmal vernünftig informieren was ich hier mache.

Vielleicht steht mein Roadtrip 2018 Combo (link) ja noch am Schrottplatz.
Südafrika bleibt auf jeden Fall das Ziel und sicher nicht mit dem Flugzeug.

Bologna, Italien

Inzwischen sind wir schon einen Monat unterwegs und haben es bis kurz vor Bologna geschafft.

In Salzburg habe ich ja fast ein Kilo Gewicht nach Hause geschickt, eine gute Entscheidung.
Am besten gefällt mir dass die große Kamera gehen musste. Ich werde jetzt leider doch kein Filmstar wie Max Semsch (externer Link), Anselm Pahnke (externer Link) oder manpower express (externer Link) aber ich genieße es so viel mehr einfach schnelle Fotos machen zu können und nicht immer nach einem guten Filmspot Ausschau halten zu müssen.
Ich konzentriere mich jetzt wieder aufs Schreiben. Das kann ich ohnehin besser.

Der Alpenanstieg war gar nicht so schlimm wie erwartet, natürlich immernoch schlimm genug.
Durch ein Gewirr von verschiedenen Fahrradwegen bin ich schließlich auf dem „Alpe-Adria Trail“ gelandet.
Wahrscheinlich ist es meiner schlechten Vorbereitung zu verdanken dass es irgendwie der einfache Weg war denn plötzlich stand ich vor einem Zug.
Meine Faulheit verhinderte dann auch erfolgreich einen Umweg zu suchen wobei ich auf jeden Fall erst in einem anderen Tal fündig geworden wäre.
Alle anderen Radlfahrer wussten Bescheid dass das Gasteinertal und die Tauernschleuse eine Sackgasse sind.

Bis Udine hatte anschließend ein paar Tage Begleitungen von einem Tschechen der unterwegs nach Kroatien ist.

Nach der italienischen Grenze ging es für einen ganzen Tag auf einer stillgelegten Bahnstrecke durch die Landschaft.
Ich glaube es war einer der schönsten Radwege auf denen ich jemals unterwegs war (externer Link).

Viele beeindruckende Brücken und bis zu einem Kilometer lange Tunnel.
Es ist ein lustiges Gefühl mit dem Rad in einen alten Bahnhof einzufahren.

Seit Udine fahre ich auch nichtmehr an irgendwelchen Flüssen lang was sich vor Allem an der abendlichen Körperhygiene zeigt.
In Deutschland und Österreich war ich jeden Tag schwimmen. Jetzt, wo die Tage heißer werden würde ich mir einen schnellen Sprung ins Wasser sehr wünschen.
Ich bin nicht sicher was schlimmer riecht, meine Radlersachen oder der vollgeschwitzte Schlafsack.
Auf jeden Fall stinke ich sehr viel schlimmer als der Hund der fröhlich in jedem Tümpel und Springbrunnen Baden geht.

Ves schlägt sich super. Ich versuche mein Möglichstes ihm jede erdenkliche Abkühlung zu verschaffen.
Auf dem Rad sitzt er unter dem Dach in seiner Kiste und wir essen zusammen Wassermelone und Eis.
Nachts liegt er meistens neben seiner kühlenden Gelmatte auf dem Zeltboden.
Er mag es sehr den Kopf aus dem Halbgeöffneten Reißverschluss zu strecken um alles zu beobachten. Leider warten die Mücken auf so eine Gelegenheit und so jagen wir im Taschenlampenlicht Abend für Abend Alles was im Zelt rumfliegt.

Unser Weg führt weiter durch die Toskana und immer der Stadt hingegen wo eh alle Wege hinführen.

Es fährt ein Zug nach irgendwo …
Fahrrad Abteilung im Tauernexpress

„Buschcamping“

Alpe-Adria Radweg
ITALIA

Aus aktuellem Anlass habe ich auf das Kaffeekochen in Venedig verzichtet

Salzburg – Österreich

Nach einem paar Tagen im Taubertal und an der Wörnitz bin ich seit Donauwörth der Donau gefolgt.
Habe ich vorher höchstens ein oder zwei Radler täglich gesehen, waren es auf dem Donauradweg einige Dutzend jeden Tag.
Viel Fahrradtouristmus bedeutet zwar eine gute Infrastruktur aber da wo viele Hotels und Campingplätze liegen wird wildes Zelten gar nicht gerne gesehen.
Trotzdem war es natürlich kein Problem jeden Abend einen netten Platz am Wasser zu finden.
Ich habe in den letzten 2 1/2 Wochen jede Nacht an einem Fluss geschlafen (und hab mich einige Male von den Mücken zerstechen lassen).
Ich habe in der gesamten Zeit meine 60km/Tag Marke nur leicht steigern können.
Vielmehr habe ich mich an diese Distanz gewöhnt und habe dabei ein gutes Gefühl weil der Hund nicht den ganzen Tag in der Kiste mitfahren muss. Es bleibt immer genug Zeit für kleine Pausen und fröhliches Rumtollen.
Ich weiß aber, wenn es sein muss knacken wir auch die 100km.

Habe ich im ersten Blog (link) noch behauptet der billig Schlafsack sei ausreichend? Spätestens nachdem ich in einer 15 Grad Nacht gefroren habe steht die Entscheidung fest dass dieses Ding ausgetauscht wird.
In der Isomatten-Statistik liegt der Hund ganz knapp auf Platz eins. Danach folge ich schon mit einem guten zweiten Platz.
Wenn man aber bedenkt dass die Isomatte eigentlich mein Bett ist, läuft hier irgendwas falsch.

Der ADFC (Allgemeiner Deutsche Fahrrad-Club) bietet eine App zu den ausgeschilderten Fahrradwegen in Deutschland an. Kostenpunkt 2,29€.
Natürlich habe ich als Sparfuchs darauf verzichtet, man sollte ja annehmen dass die Beschilderung halbwegs verständlich ist … aber denkste. Das wäre mal eine intelligente Investition gewesen.
An vielen Kreuzungen sah man suchende Fahrradgruppen und wild in Heften und Karten nachschlagende Familienväter.
Die unübersichtliche Beschilderung, teilweise überwuchert oder durch Baustellen verdeckt hat die Fahrt nicht nur verlangsamt sondern auch in gewissem Maße frustriert.
Wer kommt eigentlich auf die Idee einen Fahrradweg weeeiiiit weg von der Straße zu bauen?
Natur und Idylle ist ja alles schön aber kurz vor Regensburg war der Weg über die Landstraße mit 7 km angegeben, auf dem Donauradweg hatte ich noch 19 km!! zu strampeln.
Ich habe mich sehrwohl für die Straße entschieden.

Ein neues Problem ist aufgetaucht was ich bis dahin noch nicht kannte und zu dem ich auch noch keine Lösung gefunden habe.
Über meine Vorderradnabe kann ich 5V 1A USB Strom abgreifen. 100km Tagesetappen reichen um meine Akkus für Handy und Kamera aufzuladen.
Wenn ich,wie im Moment, nur 60km am Tag fahre und davon einiges unter 15km/h, wird mir früher oder später der Strom ausgehen.

Von Passau bin ich dem Inn und später der Salzach entlang der deutsch- österreichischen Grenze gefolgt.
In Salzburg mache ich jetzt (mal wieder) ein Tag Pause und bereite mich auf meine ersten Alpenüberquerung vor.
Nachdem ich gestern überhaupt gar nichts gemacht habe tut mir heute alles weh und wenn ich den kleinen Hund ausgestreckt auf dem Doppelbett betrachte kommen ein paar freie Tage gerade recht.

Ich halte nichts von Höhentabellen und Geländediagrammen. Dass es bergauf geht kann ich mir schon denken und wenn ich oben bin werde ich es wohl merken.
Wenn ich die Abfahrt dann auch noch überleben sollte gibt es den nächsten Blog dann aus Italien.

 

Leider hat mit die Internetverbindung etwas im Stich gelassen und so muss ich die Fotos später nachreichen.

 

Wenn die Sonne zu stark scheint fährt der Hund mit Dach

Ich bin unterwegs – cycling 2019

Es ist soweit, ich bin unterwegs.

Eigentlich wollte ich ja mit einem Jahr Vorbereitung erst im Herbst 2020 aufbrechen aber nachdem ich mir eine neue Weltkarte gekauft hatte und es bei der Arbeit gerade ohnehin nicht ganz so aufregend war habe ich im Mai spontan gekündigt und alle Termine für den Sommer abgesagt. Vorsorglich auch direkt schon mal für Herbst und Winter.

Nach dem Roadtrip durch Russland, die Stan´s und den Iran war es jetzt mal wieder Zeit für ein wenig Sport.

Inzwischen ist meine Reisevorbereitung schon ein wenig Routine. Die Campingsachen von meiner Australientour hatte ich gut weggepackt und auch das Fahrrad stand, etwas verstaubt, noch in der Garage.

Viel Vorbereitung brauchte ich also nicht. Ich habe das Fahrrad einmal geputzt (um ehrlich zu sein bin ich einmal mit dem Wasserschlauch drüber gegangen um die Spinnweben abzuwaschen) ich habe meine „alten“ Taschen gepackt und jetzt, nur ein paar Wochen nach der Entscheidung, sitze ich schon auf dem Rad.

Ich weiß noch nicht genau wo ich eigentlich hin will aber das wird sich unterwegs schon ergeben.

Ich hatte noch einen sehr günstigen Schlafsack und meine schicke Isomatte. Ein neues Zelt habe ich mir aber dann doch geleistet. Immerhin reise ich diesmal zu zweit und da reicht mein kleines Zelt nicht aus.

Aprospos, natürlich ist Ves mit an Bord. Es ist viel zu heiß um ihn lange neben dem Rad herlaufen zu lassen und so sitzt er in seiner Kiste und genießt den Fahrtwind. Ich kann auch direkt alle Tierschützer beruhigen, wir waren die ersten Tage am Rhein unterwegs und haben sehr viele Abkühlpausen eingelegt. Ves geht es hervorragend, er hat ja inzwischen auch etwas Erfahrung wie es ist „auf der Straße“ zu sein.


Ich weiß gar nicht wie ich in Australien sechs Monate auf dieser Isomatte geschlafen habe. Ich glaube ich habe seit langem nicht mehr so unbequem gelegen wie in den ersten Nächten.
Der Schlafsack, ich glaube er kommt von einem großen Discountermarkt, ist auf jeden Fall sein Geld wert, leider auch nicht mehr. Der Komfortbereich liegt bei 10´Celsius, gut dass es im Moment auch nachts eher tropische Temperaturen hat. Bei der Ausstattung besteht also noch etwas Spielraum nach oben.

Das Zelt hingegen ist klasse. Einfach und schnell aufzubauen. Es ist selbststehend und Ves und ich haben genug Platz.

Ich merke auf jeden Fall dass ich einige Jahre nicht mehr auf einem Fahrrad saß. Ich bin inzwischen ja schon einige Male am Rhein geradelt und irgendwie ging es sonst immer ein wenig schneller.
Für die ersten 120km bis nach Koblenz habe ich zwei Tage gebraucht und auch sonst komme ich im Moment nicht über eine Durschnittsgeschwindigkeit von 10 km/h hinaus. Ich schiebe es einfach mal auf die erste Stunde am Morgen in der der Hund das Tempo bestimmt und ich neben ihm her gehe.

Ich habe ja kein wirkliches Ziel und erst recht keine Eile. Ein wenig gucke ich schon auf die vielen Tourenradler die mit Höchstgeschwindigkeit an mir vorbei fliegen, ebenso vollbepackt wie ich.

Weniger bepackt, dafür aber noch schneller und dabei auch noch entspannt sind die E-bike Radler, vielleicht sollte ich doch noch schnell das Rad wechseln.

In Mainz habe ich die erste Abzweigung genommen und folge seitdem dem Mainradweg der mir im Moment sogar noch besser gefällt. Es ist viel weniger los und es ist viel einfacher kostenlose Zeltplätze zu finden. Gerade hinter dem geschäftigen Frankfurt ist es wunderschön, das hätte ich gar nicht gedacht.

Ich zelte ohnehin immer irgendwo in Flussnähe. Bis jetzt gab es noch keine Probleme. In Koblenz war ich so müde dass ich direkt neben dem Fahrradweg kampiert habe.

Viel passiert im Moment nicht, es ist halt eine ruhige Fahrradtour durch Deutschland. Ich bin sehr damit beschäftigt meine Taschen zu sortieren und zu schwitzen, da lasse ich die meisten Sehenswürdigkeiten aus.

Nach einer Woche auf dem Rad gönne ich mir heute den ersten freien Tag bevor es dann morgen ins Taubertal geht. Mein erstes Ziel steht schon mal fest, die Donau, Passau und dann der Eurovelo Radweg Nr. 7 nach Salzburg.

Das Fahrrad steht trocken in der Garage
zwei Tage vor der Abfahrt ist das Fahrrad voll bepackt
Ves vor seinem neuen zuhause
es kann losgehen
Das traditionelle Abschiedsfoto vor dem Dom in Köln
Ankunft in Koblenz
Ves genießt den Schatten

zurück in Köln

Der Weg über die Balkanroute geht so schnell wie erwartet. Nach sechs Monaten und 35.000 km durch fünfzehn Länder bin ich wieder  in Köln.

Inzwischen habe ich schon wieder die ersten Termine und werde nächste Woche mit dem „Beat it“ Musical auf Tour gehen. 
Es war eine schöne Reise mit tollen Erlebnissen und natürlich habe ich schon jetzt die ersten Ideen für die nächste Tour.

 

Türkei

Inzwischen war ich schon öfters in der Türkei. Mit dem Auto, Bus und sogar 2011 mit dem Fahrrad. 

Leider bekommt die Türkei von mir nicht die Aufmerksamkeit die das Land eigentlich verdient. Sie liegt bei meinen Reisen einfach immer zur falschen Zeit am falschen Ort. Entweder als Transitland z.B. nach Georgien oder als Ziel einer Reise von wo aus ich dann den Heimweg antrete.

Diesmal war es sowohl der Weg nach Hause als auch das Wetter das mich nicht lange halten konnte.

Gleichzeitig ist die Türkei auch wieder das erste Land nach einer ganzen Weile das halbwegs vernünftig, mit Regeln funktioniert.

Meinen Einstand habe ich direkt mit einem Knall gefeiert, in Form eines Auffahrunfalls.
Ich konnte aber wirklich nicht damit rechnen dass mein Vordermann mitten in der Stadt an einer mäßig befahrenen Kreuzung bremsen würde obwohl auf dem Standstreifen genug Platz gewesen wäre sich an den wartenden LKW vorbei zu quetschen um dann über drei Spuren locker in den linksabbieger Verkehr einzufedeln.
So habe ich das in den letzten Monaten immer gemacht und es gab nie Probleme.

Ich habe ausserdem gemerkt dass meine chinesischen Reifen in Verbindung mit meinen iranischen Stoßdämpfern nicht die beste Bodenhaftung entwickeln.

War es vor einigen Tagen noch hohe Plusgrade und Meer- Badetemperatur so war ich in Kapadokien glücklich meinen guten Winterschlafsack eingepackt zu haben.
Leider sind die Heißluftballon nicht geflogen weil es zu windig war.

Mein Türkei Highlight war diesmal die heißen Quellen von Pamukkale. Eine gute Gelegenheit mal wieder die Füße zu waschen, eine warme Dusche ist im Moment nicht einfach zu finden.

Ich bin jetzt schon unterwegs nach Griechenland und das bedeutet dass ich zurück in Europa bin. Nur noch ein paar tausend Kilometer bis nach Deutschland.

Straßenhunde auf einem Parkplatz in Izmir
Es ist kalt in der Türkei
Hier wird Service noch groß geschrieben
Bitte GENAU an die Geschwindigkeit halten!!!

Ves bei/in den heißen Quellen von Pamukkale (Quelle: instagram @Markus_Schorn)
Ves hat Spaß im Schnee

Irak – Kurdistan

Es war eine spontane Idee. Warum eigentlich nicht durch den Irak nach Hause fahren?
Es klingt vielleicht nicht wie das beste Reiseziel aber es ist durchaus machbar, jedenfalls in einem Gebiet im Norden des Landes.
Die Kurdenregion hat einige Gesetze die teilweise von den irakischen abweichen.
Unter Anderem gibt es 30 Tage visafreie Einreise.

Ich gebe zu dass ich etwas nervös war als die Grenze in Sicht kam. Immerhin ist der Irak ein Kriegsgebiet.

Die Ausreise aus dem Iran war schnell und einfach. Als der Ausreisestempel in meinen Reisepass sauste, gab es kein zurück mehr. Jetzt musste es durch den Irak gehen.
Kurzzeitig gab es etwas Verwirrung weil ich 20 US Dollar Benzinsteuer zahlen musste. Warum konnte mir niemand erklären und so weigerte ich mich erst einmal. Das Problem ist leider immer wieder, da ist ein großes Tor und ohne alle Papiere geht es im Normalfall nicht auf. Da kann ich mich so lange weigern wie ich will.

Die Einreise in den Irak, oder besser gesagt in die kurdische Region Iraks war Chaos pur.
Ich musste das Auto ausräumen und alles zu einem großen Röntgengerät tragen.
Auch Vesuvio sollte durchgescannt werden, er weigerte sich aber durch das dunkle Loch zu fahren.
Ich mache ja alle Grenzkontrollstrapazen mit aber diesmal ging es ein wenig zu weit.
Nach einigem Protest durfte er schließlich mit mir durch die Personenkontrolle kommen, während meine Bettwäsche und Küchenutensilien durch den Scanner geschickt wurden.

Nachdem keine Raketen in der Marmelade gefunden wurde, wurde ein schicker „Irak“ Stempel in meinen Pass gedrückt. Ves hat leider keinen Stempel bekommen.

Nachdem ich mein Auto wieder eingeräumt hatte wurde in einer Garage noch einmal alles auf Drogen untersucht.

Nach drei Stunden durfte ich schließlich zum letzten Kontrollpunkt fahren wo ich eine gültige KFZ Versicherung vorlegen musste.
Hatte ich natürlich nicht, also nochmal zurück.

Die Versicherung abzuschließen ging relativ schnell. Zuerst zum Makler der noch nie einen deutschen Opel versichert hatte, dann zur Bank und dann noch zu einer zweiten Bank die natürlich ganz wo anders auf dem Zollgelände war.
90 Tage Versicherung (bei 30 Tagen gültigem Visum) 40 US Dollar.
Den Versicherungsschein auszudrucken war ein Abenteuer für sich denn leider war der Drucker kaputt und es dauerte über zwei Stunden ihn zu reparieren.
Alle Beamte waren sehr nett und es gab viel Tee in diversen Büros um die Wartezeit zu überbrücken.
Ich hatte auch eine lustige Videokonferenz mit einem Kurden aus Recklinghausen der versucht hat den Drucker über Ferndiagnose zu reparieren.

Wenn jeder Grenzübertritt so lange dauert wie meiner werden hier nicht sehr viele Menschen einreisen können.
Nach über sechs Stunden öffnete sich schließlich das Tor in den Irak.

Ich bin froh dass ich über die Grenze gefahren bin.
Kurdistan ist super. Das ist mein eigenes Weihnachtsgeschenk.
Es fühlt sich an wie in der Türkei. Das hätte ich niemals erwartet.
Es gibt moderne Einkaufszentren und alles was man sich vorstellen kann.
Die Polizei fährt aufgemotzte Fords, importiert aus den USA und nach zwei Monaten im Iran fühlt es sich fast etwas seltsam an Frauen ohne Kopftuch zu sehen.

Die Menschen sind sehr freundlich. Viele Kurden haben Familie in Deutschland und ich habe in den letzten drei Tagen öfters Videochats mit deutschen Wohnzimmern gehabt als jemals zuvor.

Hier fahren keine alten iranischen LKW und schon gar keine russischen.
Alte deutsche Autos teilen sich die Straße mit modernsten Oberklassewagen. BMW, Porsche, Cheverolett und Dodge, alles ist vertreten. Beherrscht wird die Straße aber natürlich von dicken Toyota Pick-Ups.

Der Handel mit der Türkei floriert und an der Grenze stauen sich die LKWs in beide Richtungen.

Hier fahren die Leute mit Licht, es wird geblinkt und eine rote Ampel bedeutet (meistens) stehen bleiben.
Ich musste mich erst wieder daran gewöhnen und durfte mir ein paar wilde Hupereien anhören weil ich nicht damit gerechnet habe dass sich hier irgendjemand an Verkehrsregeln halten würde.
Bevor ich zurück nach Europa komme muss ich da noch etwas nachbessern.

Jeder weiß hier dass die Deutschen die kurdische Peschmerga Armee im Kampf gegen Saddam Hussein und den IS unterstützt hat. Auch in der Entwicklung und dem Infrastrukturaufbau spielt Deutschland und die EU eine große Rolle. Wir genießen hier ein hohes Ansehen.

Lustig ist, viele Iraner haben mich davor gewarnt hierher zu fahren und hier warnt mich jeder Zweite vor dem Iran wo ich eine wirklich gute Zeit hatte.

Auf dem Weg Richtung Türkei führt die Straße nur 40 km an der Stadt Mosul vorbei, eine heftig umkämpfte Stadt im Krieg gegen den IS. Ich habe versucht abzubiegen, wurde aber von der kurdischen Armee aufgehalten. Vielleicht diesmal nicht ganz verkehrt.

Die Straße verläuft zwischen Flüchtlingslagern auf der einen und einer unsichtbaren Sperrlinie auf der anderen Seite.
Mit patrolierenden Panzerwagen und vermummten Soldaten ist es teilweise ein beklemmendes Gefühl.

An einem Militärcheckpoint zeigt eine große Tafel Werbung für ein Fitnesstudio und direkt darunter hängt ein Schild das auf die Gefahr verschiedenster Mienentypen aufmerksam macht.
Eine seltsame Welt. Außerhalb der stark gesicherten Checkpoints sind überraschend wenig Waffen zu sehen.

Ich habe noch einen weiten Weg vor mir und werde ja Anfang Februar schon wieder arbeiten.
Schade eigentlich denn hier wäre ich gerne noch länger geblieben. Es führt wohl kein Weg daran vorbei. Ich muss nochmal zurückkommen.

Frohe Weihnachten.

 

Das obligatorische Foto
Einkaufszentrum in Erbil, Kurdistan, Irak
ALLES muss durch den Scanner

Bunkeranlage der kurdischen Armee
Auf dem richtigen Weg?
Flüchtlingslager in Sichtweite
Ves genießt die Fahrt
Deutsche Entwicklungshilfe
Eine kalte Nacht an der Grenze

Iran

Zunächst einmal die Eckdaten. Der Iran (offiziell: Die islamische Republik Iran) ist mit 1.650.000 qkm viermal so groß wie Deutschland.
Die Sommer sind im allgemeinen heiß, Winter im Norden und in den Bergen kalt mit Schnee, im Süden sehr mild.

Nach deutschem Verständnis, so habe ich es jedenfalls in der Vorbereitung empfunden, ist der Iran gefährlich. Tatsächlich gilt er aber als eines der sichersten Reiseländer weltweit.

99% der Bevölkerung sind Muslime.
Alkohol und Drogenbesitz/ Konsum ist verboten und kann mit der Todesstrafe geahndet werden.

Trotzdem habe ich auf der gesamten Tour in keinem anderen Land so viel Alkohol angeboten bekommen wie im Iran.

Es gilt der persische Kalender, z.Zt. befinden wir uns im Jahre 1397 und das Wochenende liegt auf Donnerstag und Freitag wobei der Freitag als arbeitsfrei gilt.

Frauen tragen den „Hijab“, eine Art Kopftuch welches die Haare möglichst komplett abdecken sollte.
Lange Kleidung über die Handgelenke und Knöchel sind selbstverständlich und ein weiter Pullover oder Mantel in der Öffentlichkeit natürlich auch.
Jede Art von äußeren Reizen, Schmuck, enganliegende Kleidung, Nagellack oder gar sichtbare Haut im Nackenbereich verträgt sich nicht mit den kulturellen Idealen.

Eine extremere Form ist der Tschador. Ein großes schwarzes Bettlaken das den kompletten Körper umschließt.

– Hierzu eine kleine Anekdote –
Die Straßenbeleuchtung ist nicht immer gut auf iranischen Straßen und es ist nicht immer einfach die Tschador Frauen im dunkeln zu erkennen. Mein Vorschlag das Bettlaken mit Weihnachtsschmuck (für bessere Visibilität) zu behängen wurde mit dem Argument abgewiesen dass es keinesfalls der Idee des Islam entspricht irgendeine Aufmerksamkeit zu erregen.

Der Iran war in den 70er Jahren ein gut entwickelter Staat mit fast westlichen Werten und westlichem Einfluss.
Nach der Revolution 1979 wurde der Schar aus dem Land vertrieben und der religiöse Führer Ayatollah Khomeini kehrte aus seinem französischen Exil zurück. Die islamischen Werte wurden vom Staatsapparat übernommen und als Gesetz definiert.

Heute wacht eine „Religionspolizei“ über die Einhaltung.


Männer haben etwas mehr Freiheit aber lange Hosen sind obligatorisch.

 

Der Iran ist das interessanteste Land in dem ich jemals war.
Es herrscht eine faszinierende Parallelgesellschaft.
An „sicheren“ Orten wie Einkaufszentren, Restaurants aber auch in der Wüste oder in Hotels an denen keine Gefahr besteht auf die „grüne Polizei“ zu treffen wird das Kopftuch oftmals „vergessen oder rutscht „aus versehen“ runter.

Iran ist durch US Sanktionen vom internationalen Devisenmarkt abgeschnitten was vereinfacht bedeutet dass EC- und Kreditkarten nicht funktionieren.
„US Sanktion“ bedeutet dass eine Verbindung zu deutschen Banken theoretisch funktionieren sollte, allerdings hat die USA jeglichen Handel mit dem Iran unter Strafe gestellt und droht bei Zuwiderhandlung auch deutschen Banken mit dem Ausschluss vom amerikanischen Markt.
Da ein USA- Verbot für jedes Unternehmen den Todesstoß bedeuten würde, fügt sich die Wirtschaft den amerikanischen Regeln.

Ich habe meinen kleinen Tresor gut mit US Dollar bestückt und komme damit gut durch.

Im Iran habe ich schließlich komplett den Überblick verloren. Der offizielle Wechselkurs zum Dollar ist 42.000 Rial. Der Schwarzmarktkurs ist dreimal so hoch und schwankt sehr stark. Weil mit so hohen Zahlen offenbar Niemand rechnen kann wird bei den Preisen die letzte Null gestrichen. Dann heißt die Währung Toman. Manchmal fehlen auch alle Nullen.

Der Preis für ein Liter Benzin ist z.B. 1.
Das sind dann 1000 Toman an der Säule. Ich zahle also 10.000 Rial, etwa 25 Cent oder nach dem Schwarzmarkt 8 Cent. Sehr verwirrend.

Der Euro ist noch etwas mehr wert aber weil ich gar keine Euro in der Tasche habe wäre es noch verwirrender wenn ich wieder alles zurück rechnen würde. Benzin wäre dann etwa 6 Cent/ Liter

Um alles noch zu perfektionieren rechnet jeder mit einem eigenen Kurs, was in etwa dem Schwarzmarktkurs entspricht. Auch Hotels, Geschäfte und sogar Wechselstuben und Banken.

Hier ist noch ein lustiges Beispiel:
Eine Nacht im Hostel in Teheran kostet 3 US Dollar pro Nacht.
Online, auf einer Hotel- Buchungsplattform wird automatisch die offizielle Währung berechnet, 126.000 Rial.
Bezahlen kann man nur vor Ort, da erhöht sich der Preis aber auf 36 = 36.000 Toman also 360.000 Rial.
Ist klar, oder?

– – –

Der Verkehr scheint hier fast ein rechtsfreier Raum zu sein.
Auch wenn es Gesetze wie Helmpflicht auf dem Motorrad, Anschnallgurt im Auto oder das einschalten der Scheinwerfer bei Nachtfahrten gibt, scheint es in Realität eher eine Empfehlung zu sein.
Motorfahrer ohne Licht fahren grundsätzlich überall wo sie einen Platz finden. Auf Bürgersteigen, auf Busspuren, gerne gegen die Fahrtrichtung und natürlich ohne Helm. Oft sieht man den Helm auch baumelnd am Lenker.

Natürlich gibt es, wie überall auf der Welt, auch hier das Gesetz dem Willigen das Überqueren der Straße an einem mit Schildern und Markierungen gekennzeichneten Überweg zu ermöglichen. In Wahrheit hält aber niemand an und es ist jedesmal ein Kampf ums Überleben.
Ich bin froh dass Vesuvio aufs Wort hört und nicht ein Zentimeter von meiner Seite weicht wenn wir zusammen die Straße überqueren.
Da ja ohnehin niemand stoppt macht es auch wenig Sinn den Zebrastreifen zu benutzen und darum springen jederzeit diverse Menschen auf der Straße rum.
Alles in allem habe ich persönlich sehr viel Spaß hier rumzukurven.

Ich hatte nur einen kleinen Zusammenstoß mit einem Taxi. Zugegeben, es war meine Schuld weil ich mich an die Straßenmarkierung gehalten habe.
Der Unfallgegner forderte eine Summe mit vielen, vielen Nullen.
Ich habe ihm in Ruhe erklärt dass wir erst einmal die Polizei rufen werden die einen Unfallbericht schreiben wird den wir dann bei der Versicherung einreichen können.
Damit war die Sache dann auch erledigt. Worte wie „Deutsche Botschaft“ und „Polizei“ haben hier eine sehr starke Wirkung.

Ich frage mich wer sich hier die Arbeit gemacht hat die weißen Linien auf die Straße zu pinseln. Um solche Kleinigkeiten kümmert sich wirklich niemand.

Dass die Autos hier gerne ohne Beleuchtung fahren scheint niemanden zu stören. Wild blinkendes Standlicht scheint im Moment auch sehr im Trend zu liegen.
Immerhin fahren nur 10% der Verkehrsteilnehmer auf der falschen Straßenseite (50% der Motorradfahrer) und nur 1% Rückwärts weil er mal wieder eine Abbiegung verpasst hat.

– – – 

Ich lerne jeden Tag neue Regeln. So ist es z.B. nicht gerne gesehen wenn der Hund auf der Straße läuft weil es dem Regime zu „westlich“ ist.

Ebenso ist es Frauen nicht erlaubt Motorrad zu fahren

Internet im Iran ist nicht immer ganz einfach. Facebook, YouTube und viele westliche Webseiten funktionieren nur über Proxy Server oder VPN. Instagram und Whatsapp ist (noch) frei zugänglich und sehr populär. 

Im Allgemeinen ist es ein tolles Land zum reisen. Einfach, günstig und sehr nett. Ich hatte keinerlei Probleme und werde gerne zurück kommen.

Ich fahre von hier Richtung Westen und das bedeutet dass ich ab jetzt auf dem Heimweg bin. Ich werde im Februar wieder in Deutschland sein. Bis dahin sind es aber noch 5.000km und acht Länder.

Deutscher Bus? Second Hand Nummernschilder gibt es auf dem Markt
Niemals alleine im Iran
Ves und eine Tschador Frau

Neue Freunde am Strand
Ich war beim Frisör … aber zuerst mal ein Hundefoto

Mein Auto hat ein paar Teile verloren und weil es im Iran keine passenden Ersatzteile für einen Opel gibt wurden die Teile einfach selbstgemacht. 
Viele Grüße an den TÜV. 

Handgemacht ist immer am besten
Es gibt andere Hunde im Iran 🙂
Kaffee am Strand in Bandar Abbas
Gasflasche auffüllen – iranian style – 10m Abstand bitte
beachcamp
überall sind Zuschauer
Pfannkuchen Frühstück im Auto

Ves über den Dächern von Yazd
Morgens ist es kalt in der Wüste
Wracktauchen in Qeshm

Turkmenistan

Turkmenistan ist eines der seltsamsten Länder und war definitiv das härteste Visum auf meinem Weg. Mehr als fünf Tage Transit war nicht drin und dazu war es mit 55 US Dollar auch das teuerste Visum wenn ich es auf Tage umrechne, 10,50 US Dollar/Tag.

Der offizielle Wechselkurs liegt bei 4:1 aber auf dem Schwarzmarkt bekommt man weit mehr. Ich verstehe nicht ganz wie und warum es funktioniert aber ich habe 18 turkmenische Manat für einen Dollar bekommen.

Die Einreise war mit einiger Rennerei verbunden. Ich habe verschiedene Zettel bekommen und musste immer wieder irgendwelche Gebühren bezahlen. Es gab zwar jeweils eine Quittung aber was sagt das schon aus?

Ich habe eine Einreisegebühr von 30 US Dollar bezahlt und 27 Dollar Benzinsteuer die wohl über meine zu fahrenden Kilometer ausgerechnet wurde. Eine Versicherung für 35 Dollar und schließlich eine Servicegebühr von 5 Dollar. Am Ende hat die Bank noch eine extra Gebühr von 10 Dollar erhoben.
Für die Desinfektion des Fahrzeugs habe ich noch einen Dollar bezahlt,  nach der Zahlung schien die Desinfektion aber schnell vergessen zu sein.
Zusammen hat mich die Einreise 108 Dollar gekostet.
Der Hund hat seine Einreisegebühr von 14 Dollar von seinem Taschengeld bezahlt. Für fünf Tage Aufenthalt ist das ganz schön happig.

Im Visumsantrag musste ich meine Route angeben und durfte, so habe ich es verstanden, nicht davon abweichen.
Auf einer Landkarte wurde meine Strecke noch einmal genau skizziert.

Die erste Stadt auf dem Weg war Turkmenabat. Eine gute Gelegenheit über den Basar zu schlendern und das Angebot von Obst und Gemüse zu prüfen.
Ich musste auch tanken bevor es auf die lange Wüstenetappe ging.
Benzin kostet 1,5 Manat pro Liter, das sind 40 US Cent beim offiziellen Wechselkurs. Allein diese Tatsache ist schon günstig aber bei meinem Kurs kostet mich der Liter 8 US Cent und ich habe das Auto für nicht einmal 5 Euro gefüllt.

Es waren vor Allem türkische LKWs unterwegs. Hunderte durchqueren Turkmenistan auf dem Weg von der Türkei nach Usbekistan und Visa verce.

Die Straßen sind breit ausgebaut, mit Leitplanken und Beleuchtung versehen und könnten auf den ersten Blick mit jeder deutschen Autobahn mithalten.
Es fällt aber schnell auf dass mindestens zwei der drei Spuren pro Richtung nicht befahrbar sind weil sie entweder von Schlaglöchern oder Spurrillen durchzogen sind oder einfach nicht fertig gebaut wurden.
Oft ist eine komplette Richtungsfahrbahn durch große Erdhügel gesperrt weil z.B. eine Brücke vergessen wurde. Da die entsprechende Beschilderung fehlt ist es ein kleines Glücksspiel ob es jetzt Gegenverkehr gibt oder nicht.

Am zweiten Tag bin ich einfach mal nach rechts abgebogen. Sozusagen illegal.

Alle paar Kilometer gab es eine Polizeikontrolle. Meistens war es ein einzelner Beamte der irgendwo in der Wüste mit einem Radarmessgerät stand und fröhlich jedes zweite Auto anhielt.
Eine Beschilderung gibt es nicht aber nachdem ich zwei Mal gestoppt wurde, habe ich mich wie die Einheimischen an eine Geschwindigkeit von 70 km/h gehalten sobald in der Ferne ein kleines grünes Männchen auftauchte.
Es gibt auch richtige Checkpoints wo ich jedoch stets durchgewunken wurde.
Ist keine Polizei zu sehen fährt natürlich jeder wie er will.

Mitten in der Wüste liegt ein offener Gaskrater. Eigentlich ist es ein großes Loch durch das natürliches Gas an die Oberfläche strömt.
Turkmenistan verfügt über das viert- größte Gasvorkommen der Welt.
In den 70er Jahren haben die Russen das Gas entzündet und seither lodert der Trichter mitten in der Wüste.
Ein unwirkliches Schauspiel und ich habe etwas erhöht an einem Hang gecampt, mit premium Blick auf die Flammen.
Der Krater hat einen Durchmesser von 70 Metern und ist 30 Meter tief. Es sieht bei Nacht so aus als könnte ein uns wohl bekannter Ring darin geschmiedet worden sein.

Auf dem Weg in die Hauptstadt habe ich die 20.000km Marke auf der Tour überquert.

Ashgabat ist faszinierend, gleichzeitig verrückt und sehenswert.Die Stadt hält den Weltrekord für die meisten Gebäude aus weißem Marmor und die einige andere verrückte Sachen. 
Das „Zentrum für Kultur und Unterhaltung“ hält einen Weltrekord für das größte überdachte Riesenrad, der große Springbrunnen hat die meisten Becken der Welt und das große Oktagonal „Star of Oguzkhan“ hat das weltgrößte Abbild des Sternenhimmels.

Alles ist riesig. Die Straßen sind breit und schnurgerade. Riesige Boulevards und Parkanlagen mit Springbrunnen und Lichtspielen.
Ich bin am Präsidentenpalast vorbei spaziert und an dem präsidentialen Balkon von wo aus das Staatsoberhaupt die großen Paraden bestaunt um sich, und auch das ist kein Geheimnis, selbst zu feiern.
Es ist ein wenig wie Nordkorea.
Die Stadt ist gespickt mit goldenen Statuen und riesigen Regierungsgebäuden.
An jeder Ecke steht ein Polizist, teilweise auch Militär.
Ich war nicht sicher ob das fotografieren hier so eine gute Idee ist und hab nur ein paar Bilder von den Parkanlagen und einigen Statuen gemacht.

Der Präsident ist ein Sportfanatiker. Das Olympiagelände rund um das neue Stadion ist riesig und, wie alles andere in der Stadt, rein weiß.
2017 wurden hier die Marshall Art Games ausgerichtet., eine von der Weltöffentlichkeit kaum wahrgenommene Veranstaltung.
Der Bau des Olympiageländes hat 5 Millarden Dollar verschlungen.
Turkmenistan errang mit 245 Medaillen in 21 Disziplinen den ersten Platz im Medaillenspiegel.

Pünktlich am fünften Tag habe ich das Land verlassen und bin ab jetzt im Mittlerer Osten unterwegs.

Herr Präsident auf großen LED Wänden

ein kleines Problem mit der Federung – in Deutschland ein Grund stehen zu bleiben … hier nicht

Usbekistan

Ich bin mit meinen Blog Einträgen etwas hinterher aber es war in den letzten Wochen nicht so ganz einfach an funktionierendes Internet zu kommen.

Die Einreise nach Usbekistan war schnell und unkompliziert. Ich hatte ein paar seltsame Geschichten über diese Grenze gehört.
Durch einige Internet Foren geisterte eine 15 Seitige Liste mit verbotenem Zeug.
Einige Medikamente dürfen nicht eingeführt werden, nicht mehr als fünf Glasaugen über die Grenze gebracht werden und so ziemlich alles muss angemeldet werden.
Laptop und USB Sticks werden kontrolliert und Fotos von Regierungsgebäuden und Männern mit Bart werden rigoros gelöscht. Jede Art von Pornographie, sogar Modezeitschriften werden konfisziert.
Wahrscheinlich ahnt ihr es schon aber ich sage es trotzdem nochmal, nach dem Einreisestempel wurde ich natürlich direkt durchgewunken. Kein Test auf Glasaugen oder Medikamente, keine Diastunde mit meinen Fotos und natürlich blieb auch der Hundepass ungesehen.

Stattdessen wurde ich freundlich mit „Heil Hitler“ begrüßt. Es passiert immer wieder und ich habe mich inzwischen schon daran gewöhnt dass die Beamten sich freuen ein paar Worte deutsch sprechen zu können. Meistens lächele ich kommentarlos zurück.

Die meisten Autos in Usbekistan fahren mit Gas. Auch Busse und LKWS sind auf Gas umgerüstet. Die alten russischen Lkws fahren mit schlechtem, oftmals gepanschtem Benzin oder noch schlechterem Diesel. Auch die importierten europäischen Trucks fahren mit Diesel was man vorallem an den immensen Abgaswolken sehen kann.
Super Benzin ist nur in den großen Städten zu finden und ist mit fast einem US Dollar pro Liter doppelt so teuer wie in den Nachbarstaaten also habe ich seit der Grenze Normalbenzin getankt.

In letzter Zeit gab es einige Veränderungen für Touristen wie z.B. online Visa und die Lockerung der Registrierungspflicht was das Reisen erheblich vereinfacht. Seit 2017 dürfen Touristen zudem die lokale Währung ‚Som‘ benutzen, vorher ausschließlich US Dollar.

Das Rumreisen war einfach und auch das übernachten im Auto war kein Problem.

Usbekistan war ein zentraler Teil der Seidenstraße und ist somit Anziehungspunkt für Touristen aus der ganzen Welt. 

Die touristische Infrastruktur in den Städten ist gut entwickelt und Bustouren verkehren zwischen allen großen Sehenswürdigkeiten.

Auch wenn sich das Land zunehmend als offen und sozial zeigt sollte man nicht vergessen dass Usbekistan an alten sowietischen Regeln festhält.

Usbekistan bleibt, mit seiner Grenze zu Afghanistan ein wichtiger strategischer Partner im „Kampf gegen den Terror“.
Sowohl die USA als auch die NATO unterhalten mehrere Militärstützpunkte auf usbekischem Staatsgebiet und bei dem großen Militärabzug aus Afghanistan 2014 wurden viele hundert Millionen Dollar für den Transit von tausenden Tonnen militärischem Equipment bezahlt.

Um 6 Uhr heute morgen habe ich kurz Vesuvio raus gelassen und bin wieder eingeschlafen. 20 Minuten später wurde ich von lautem Lachen geweckt. Neben meinem Auto saßen zwei alte Männer auf dem staubigen Boden und haben mit dem Hund gespielt. Hier mit Hund unterwegs zu sein ist so viel einfacher als ich dachte. Ves bringt unterwegs viele Menschen zum Lachen und ich bekomme dann immer Tee und Kekse. Wir sind ein super Team..

 

Camping an/in einem alten Sowiet Damm. Die erste Staustufe wurde halb fertig gebaut und dann aufgegeben. Ein perfekter Platz für die erste Nacht in Usbekistan.

 

Muynoq war noch vor 40 Jahren ein bedeutender Fischereihafen am Aralsee.
Heute liegen die verrosteten Kutter auf dem ehemaligen Meeresboden. Das Wasser ist über 200km entfernt. Eine Folge von intensiver Landwirtschaft.